Brandschutz im Holzbau: Sichere Abschottungslösungen für moderne Konstruktionen
Moderner Holzbau erfordert durchdachte Details – besonders beim Brandschutz. Wie innovative Systeme Sicherheit und Nachhaltigkeit vereinen, lesen Sie hier.
11/12/2025
Lesezeit
4 Minuten
Holz liegt im Trend – auch im mehrgeschossigen Wohn- und Gewerbebau. Ein Paradebeispiel für den modernen, mehrgeschossigen Holzbau ist „BUGGI 52“, ein Multifunktionsgebäude in Freiburg. Der knapp 22 Meter hohe, achtgeschossige Gewerbebau mit Kindergarten und 30 Wohneinheiten wurde ab dem ersten Obergeschoss konsequent in Holz gebaut, inklusive Aufzugsschacht, Treppenhaus und Außenfassade. Für Gebäudeklasse 5 ist das bisher einmalig. Es ist zudem deutschlandweit der erste FSC-zertifizierte Holzbau, gebaut mit Holz aus heimischer und nachhaltiger Forstwirtschaft. Für die nachhaltige Bauweise sowie viele weitere neuartige Details, nicht zuletzt im Brandschutz, wurde das BUGGI 52 mit dem Deutschen Holzbaupreis 2023 prämiert. Doch gerade bei Leitungsdurchführungen stellt der Brandschutz im Holzbau besondere Anforderungen. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf es dabei ankommt.
Warum Abschottungen im Holzbau besonders kritisch sind
Bei allen Vorteilen, wie Nachhaltigkeit, hohem Vorfertigungsanteil oder geringem Gewicht ist Holz immer ein brennbarer Baustoff. Im Holzbau gibt es verschiedene Bauweisen: von massiven Holzdecken und -wänden, oder die Holzständerbauweise, bis hin zum Holz-Betonverbund. Und: Holz arbeitet, Quellen oder Schwinden des Holzes kann zu Fugen und Undichtigkeiten im Holzbau führen. Die allgemeinen Anforderungen an den baulichen Brandschutz für das Bauen werden in der Musterbauordnung (MBO) und den jeweiligen Landesbauordnungen (LBO) nach den Gebäudeklassen (GK) gegliedert. Die Gebäudeklasse richtet sich nach der Art, der Höhe und der Fläche des Gebäudes. Grundsätzlich gilt: Je höher die GK, desto höher sind die Anforderungen an den Brandschutz. Im Holzbau kommen die Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) und die Muster-Leitungsanlagenrichtlinie (MLAR) nach deren Einführung in den Ländern als Erleichterung zu tragen.

Die wichtigsten Aspekte der MBO für den Brandschutz sind:
- 1. Baustoffe und Bauteile: Die MBO enthält Vorgaben für die Brandschutzeigenschaften von Baustoffen und Bauteilen. Je nach Gebäudeklasse und Verwendungszweck müssen bestimmte Feuerwiderstandsklassen eingehalten werden.
- 2. Brandwände: Die MBO legt fest, dass Gebäude in Brandabschnitte unterteilt werden müssen, um die Ausbreitung von Feuer und Rauch zu begrenzen. Brandwände dienen als Trennwände zwischen verschiedenen Brandabschnitten.
- 3. Rettungswege: Die MBO schreibt vor, dass ausreichend dimensionierte und leicht zugängliche Rettungswege vorhanden sein müssen. Dazu gehören Treppenräume, Flure und Notausgänge.

Ergänzend zur MBO gibt es weitere Richtlinien für Leitungsanlagen und den Holzbau:
Die Muster-Leitungsanlagenrichtlinie (MLAR) ist eine Vorgabe der Bauministerkonferenz für den Einbau und Betrieb von Leitungsanlagen in Gebäuden. Sie enthält technische Anforderungen und Empfehlungen für die Planung und Ausführung von Leitungsanlagen wie Elektroinstallationen, Sanitär- und Heizungsanlagen. Weiterhin ist der „Kommentar zur Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie“ in Abschnitt J gibt es Lösungen für den Brandschutz im Holzbau.
Die Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt)veröffentlicht. Die sich speziell mit dem Bauen mit Holz befasst. Sie definiert Anforderungen an feuerwiderstandsfähige Bauteile in Holztafel- und Massivholzbauweisen. Neu geregelt wurde das Bauen mit Massivholz ohne vollständige Brandschutzbekleidung für die Gebäudeklassen 4 und 5 (bis zur Hochhausgrenze) sowie die Errichtung von Außenwandbekleidungen aus normalentflammbaren Baustoffen bei Gebäuden der Gebäudeklassen 4 und 5.
Sichere Systeme für Decken und Wände aus Holz
Wie komplex der Brandschutz im Holzbau ist, lässt sich an folgenden Konstruktionsbeispielen ablesen. Laut Kommentar zur MLAR und MHolzBauRL benötigen sie zwangsweise eine Laibungsbekleidung. Das bedeutet: Alle Flächen der Leitungsdurchführungen sind mit nichtbrennbaren Bekleidungen stoßversetzt ausgekleidet, um die geforderte Feuerwiderstandsklasse des gesamten Holzbauteils zu gewährleisten.
Alternativ dazu bietet WÜRTH vereinfachte Systeme für die Abschottung in Holzbauteilen. Sie stellen eine nichtwesentliche Abweichung vom Anwendbarkeitsnachweis der jeweiligen Abschottung dar, da von der Bauart der klassifizierten Bauteile (Wand/Decke) formaljuristisch abgewichen wird. Der direkte Einbau kann aber durch Brandprüfberichte belegt und zusätzlich durch Gutachten bestätigt werden. Einige Beispiele:
- Kabelabschottung in Holzdecken und – wänden mit Kabelröhre, Stopfwolle und einer Ablationsbeschichtung, die im Brandfall für Kühlung sorgt.
- Rohrabschottungen von brennbaren Rohren und Mehrschichtverbundrohren in Massivholzwänden und Decken mit Rohrmanschette, Schutzschlauch, Ablationsbeschichtung und Stopfwolle.
- Einzelabschottung von nicht brennbaren Metallrohren mit nichtbrennbarer Isolierung in Wänden und Decken mit Steinwolle-Dämmstoff, Stopfwolle und Ablationsbeschichtung.
- Einzelabschottung von nicht brennbaren Metallrohren mit brennbarer Isolierung in Wänden und Decken mit Brandschutzgewebe, Kälte- oder Heizungskautschuk, Stopfwolle und Ablationsgewebe.
- Als Systemlösungen für Kombiabschottungen sind darüber hinaus Brandschutzstopfen, Brandschutzsteine und das Weichschott wE, sowie darauf abgestimmte Brandschutzmassen zum Verschließen von Zwickeln und Zwischenräumen erhältlich: Die im Brandfall aufschäumenden Würth Brandschutzsteine, -stopfen und der zugehörige Brandschutzschaum Kombi (Würth System E1.1) das Würth Weichschott (Würth System C3) ermöglichen feuerhemmende bis feuerbeständige Kombiabschottungen in massiven Brettsperrholzwänden und -decken ohne Laibungsauskleidung mit nicht brennbaren Trockenbauplatten gemäß MHolzBauRL.
Planung und Montage: So klappt’s auch auf der Baustelle
Fachgerechter Brandschutz im Holzbau beginnt mit der Planung. Zum einen stellt das brennbare Baumaterial Holz besondere Anforderungen. Zum anderen sind gibt es für Kabelabschottungen in Holzdecken, die Leitungsdurchführung im Holzbau oder Rohrabschottungen im Massivholzbau zahlreiche Vorgaben, die auch die Installation und damit die ausführenden Gewerke betreffen. Eine enge Zusammenarbeit und lückenlose Dokumentation sind daher unverzichtbar. Besonderes Augenmerk sollte bei der Ausführung auf diese Punkte gelegt werden:
- Vorbereitung: Die durchzuführenden Medien mit der Anwendbarkeitsnachweisen abgleichen, richtige Schottauswahl.
- Laibungen: Alle Flächen müssen mit nicht brennbaren Materialien ausgekleidet werden.
- Fugen, Zwickel, Zwischenräume: Auf Dichtigkeit achten.
- Zwischenräume müssen ausgefüllt und gegen Bewegungen des Holzes gesichert werden.
- Abstand: Vorgaben zum Abstand zwischen Leitungen und Bauteilen beachten.

Was bei Dokumentation und Abnahme zählt
Nur geprüfte Systeme mit Zulassungen bieten Sicherheit, bei der Planung, bei der Abnahme und im schlimmsten Fall bei einem Brand. Eine einwandfreie Brandschutzdokumentation spart Zeit, Geld und auch Nerven. Darüber hinaus dokumentiert eine ordnungsgemäße Brandschutzdokumentation Flucht- und Rettungswege, was für die sichere und gesetzeskonforme Nutzung von Gebäuden unverzichtbar ist. Der Brandschutz hat Auswirkungen auf Architektur, Statik und Haustechnik, deshalb müssen unterschiedliche Gewerke und Planungseinheiten koordiniert werden. Eine saubere Kommunikation an den Schnittstellen mit Bauaufsicht, Planenden und Gewerken unverzichtbar.
Fazit
Abschottungen im Holzbau sind anspruchsvoll – aber mit geprüften Lösungen gut beherrschbar. Wer geltende Regeln kennt und dokumentiert arbeitet, ist auf der sicheren Seite. Die Würth Brandschutzspezialisten unterstützen schon in der Planungsphase, um die geeignete Systemlösung zu finden.

