Brandschutz im Rheinkraftwerk Säckingen: Einblicke in ein außergewöhnliches Projekt
Einblicke in den Brandschutz des Rheinkraftwerks Säckingen: Wie Zepf Brandschutz 2024 Herausforderungen in einer leistungsstarken Wasserkraftanlage löste.
11/24/2025
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Strom, gewonnen aus dem Strom – und das in gewaltigen Dimensionen: Der Rhein bietet sich durch sein starkes Gefälle von insgesamt 150 Metern vom Bodensee bis Basel als Energiequelle an. Das Rheinkraftwerk Säckingen nutzt das Gefälle zwischen den Kraftwerken Laufenburg und Ryburg-Schwörstadt und erzeugt so im Durchschnitt jährlich 485 Millionen Kilowattstunden (kWH) Strom. Zur Einordnung: Eine Stadt wie Bad Säckingen mit knapp 18.000 Einwohnerinnen und Einwohnern könnte damit rund sechs Jahre lang versorgt werden. Der Brandschutz ist in Energieanlagen von zentraler Bedeutung. Das gilt insbesondere für Wasserkraftwerke, bei denen hohe elektrische Leistungen, begrenzte Zugänglichkeit und spezielle bauliche Bedingungen zusammenkommen.
Im Projekt „Rheinkraftwerk Säckingen“, das 2024 umgesetzt wurde, war Zepf Brandschutz als Fachunternehmen beteiligt. Im folgenden Interview gibt Inhaber Boris Zepf Einblicke in das Projekt, die Herausforderungen und die Lösungsansätze rund um den Brandschutz.

Vor dem Umbau © Zepf Brandschutz
Modernisierung eines Wasserkraftwerks der 1960er: Aufgaben von Zepf Brandschutz m Rheinkraftwerk Säckingen
Herr Zepf, was war Ihre Aufgabe im Projekt „Rheinkraftwerk Säckingen (RKS) 2024“?
Herr Zepf: Eine massive Brandschutzertüchtigung des Wasserkraftwerkes, das in den 60er Jahren errichtet wurde. Unser Auftrag war, die Brandabschottungen und Brandschutztüren in den Versorgungskanälen auf einen aktuellen Stand zu bringen.
Welche konkreten Brandschutzmaßnahmen haben Sie dabei umgesetzt?
Herr Zepf: Unser Auftrag beinhaltete das Entfernen der alten Mineralwoll-Abschottungen, das Herstellen neuer Abschottungen mittels Brandschutzstein, -schaum und -masse, sowie das Errichten von Wänden für die neuen Brandschutztüren und der Einbau neuer Brandschutztüren mit Obertürschließern und Ansteuerungsmöglichkeit über die Brandmeldeanlage (BMA).
Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Herr Zepf: Wir hatten im Vorfeld bereits den Auftrag die neuen Durchbrüche in den Traforäumen, die für die neue BMA und Löschanlage entstanden sind, brandschutztechnisch zu verschließen. Für die umfangreicheren Maßnahmen in den Versorgungskanälen wurde wegen des Umfangs eine Ausschreibung erforderlich.
Das Wasserkraftwerk Bad Säckingen wurde in den 1960er Jahren errichtet, Baubeginn war 1961, die Fertigstellung im Jahr 1966. Die Hauptmasse des Kraftwerks liegt unter Wasser, für die Errichtung waren unter anderem eine Rheinverbreiterung von 100 auf 250 Meter sowie eine Vertiefung um bis zu 4 Meter nötig.

Vor dem Umbau © Würth

Nach dem Umbau © Zepf Brandschutz

Nach dem Umbau © Zepf Brandschutz

Nach dem Umbau © Zepf Brandschutz
Technische Herausforderungen: Enge Versorgungskanäle und komplexe Kabeltrassen
Welche baulichen oder technischen Herausforderungen ergaben sich aus der Lage oder Bauweise der Anlage?
Herr Zepf: Herausfordernd war der beschränkte Raum innerhalb der Versorgungskanäle. Die Kabelkanäle mit einer Breite von lediglich rund zwei Metern wurden beidseitig mit bis zu zehn Kabelpritschen übereinander versehen und die Durchgangsbreite teilweise auf 70 Zentimeter reduziert. Erschwerend kam hinzu, dass auch Brandschutztüren dazwischen einzubauen waren.
Die Anlage befindet sich im Grenzgebiet zwischen Deutschland und der Schweiz, der Strom gelangt über Kabeltrassen in die beiden Länder. Ergaben sich dadurch besondere Anforderungen?
Herr Zepf: Durch die engen, weit über 100 Meter langen Gänge mussten der Abraum, das neue Material und Maschinen größtenteils händisch transportiert werden. Wir haben für die fast 350 Abschottungen rund 15 Paletten Schaum und Stein verarbeitet, sechs Tonnen Kalksandstein transportiert und verarbeitet. Zusätzlich haben wir 15 Brandschutztüren demontiert und abtransportiert, 13 neue eingebaut und elf Bigpacks Mineralwollschotts demontiert und ebenfalls herausgetragen.
Der Rückbau der alten Abschottungen stellte uns vor erhebliche Herausforderungen. Da die Ablation teilweise mehrere Zentimeter stark um die Kabel aufgetragen wurde, war es sehr schwer dies zu entfernen. Erschwerend kam hinzu, dass die Anlage im laufenden Betrieb umgebaut werden musste und es sich teilweise um 110kV-Leitungen handelte, war der Einsatz mit Maschinen nicht möglich.
Risikomanagement im Brandschutz: Vorgehen bei schwer zugänglichen Bereichen
Wie wurde mit diesen Risiken umgegangen – was war Ihr Ansatz als Brandschutzprofi?
Herr Zepf: Wir haben die alten Brandabschottungen so weit entfernt, wie wir es guten Gewissens verantworten konnten. Wenn es nicht möglich war, haben wir die neuen Abschottungen neben den alten platziert, um eine Materialvermischung zu vermeiden.
Wurden Würth-Produkte oder andere definierte Systeme eingebaut und wie lief die Zusammenarbeit mit den Partnern?
Herr Zepf: Ja, wir haben die Umsetzung mit Brandschutz-Steinen und -Stopfen Kombi, Brandschutzschaum Kombi, Brandschutzmanschetten und Kabelröhre durchgeführt. Für den Einbau der Brandschutztüren arbeiten wir seit Jahren mit der Fa. Jordan aus Villingen zusammen, weil wir uns im Bereich Brandschutz zu 100% auf unseren Partner verlassen möchten. Die Maurerarbeiten wurden von der Fa. Rotkamm aus Albbruck in unserem Auftrag durchgeführt.
DIN 4102, MBO & Co.: Normen im Bestand eines Wasserkraftwerks
Welche Normen und Vorschriften waren bei dem Projekt maßgeblich?
Herr Zepf: Wir haben uns bei der Umsetzung schutzzielorientiert an die DIN 4102, MBO und Leitungsanlagen-Richtlinie gehalten. Durch die bestehende Bausubstanz war es jedoch nicht immer vollumfänglich möglich und somit mussten wir Kompensationslösungen entwickeln. Hier waren wir aber in enger Abstimmung mit dem Support von Würth und zwei uns unterstützenden Brandschutzsachverständigen.
Welche organisatorischen Abläufe – etwa Prüfungen oder Freigaben – waren erforderlich? Wie lief die Zusammenarbeit mit Behörden oder der Feuerwehr?
Herr Zepf: In unsere Arbeiten waren die Behörden nicht involviert, da es keinerlei Auflagen gab und die brandschutzmäßige Ertüchtigung eine rein freiwillige Vorsichtsmaßnahme des Kraftwerkbetreibers war. Da kein Brandschutzfachplaner oder Sachverständiger von Betreiberseite beauftragt war, mussten wir unsere Normabweichungen alle mit eigenen Fachplanern und Sachverständigen abstimmen.
Was hat Sie an diesem Projekt persönlich am meisten beeindruckt oder herausgefordert?
Herr Zepf: Beeindruckt hat mich die Größe des Objektes, die unendlichen Gänge und Kanäle. Die Technik die hinter so einer Anlage steckt. Herausgefordert hat mich das tägliche Lösungssuchen und -finden. Einen ganz herzlichen Dank möchte ich allen sagen, die den Weg mit uns gegangen sind, uns unterstützt, beraten und motiviert haben. Aber auch an das Kraftwerk, das uns das Vertrauen geschenkt hat und deren Mitarbeiter, die stets freundlich und hilfsbereit waren.
Welche Empfehlungen geben Sie anderen Planern oder Betreibern für den Brandschutz in Wasserkraftwerken?
Herr Zepf: Es muss einem klar sein, dass eine solche Umsetzung nicht nach Standard realisiert werden kann. Abweichungen zu geltenden Normen und Vorschriften sind an der Tagesordnung. Man muss sehr oft Kompensationslösungen parat haben und natürlich Sachverständige und Hersteller, die diesen Weg auch mitgehen, beratend zur Seite stehen und die beschlossenen und umgesetzten Lösungen auch mitgehen und mittragen.
Fazit: Warum moderner Brandschutz für Energieanlagen am Rhein wichtig bleibt
Das Projekt „Rheinkraftwerk Säckingen 2024“ zeigt eindrucksvoll, wie anspruchsvoll moderner Brandschutz in historisch gewachsenen und technisch komplexen Energieanlagen ist. Was auf den ersten Blick wie ein reines Bau- oder Sanierungsvorhaben wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als präzise Teamarbeit unter herausfordernden Bedingungen – getragen von Expertise, pragmatischen Lösungen und enger Abstimmung aller Beteiligten. Die Erfahrungen von Zepf Brandschutz machen deutlich, dass Sicherheit in Wasserkraftwerken kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist, der Verantwortung, Fachwissen und Mut zu individuellen Lösungen verlangt. So trägt das Projekt nicht nur zur langfristigen Betriebssicherheit des Rheinkraftwerks bei, sondern setzt auch ein starkes Zeichen für gelebten Qualitätsanspruch im technischen Brandschutz.
