Ein rollendes Stück Fußballgeschichte
Seit Jahren sammelt der WM-Golf nicht nur Unterschriften, sondern vor allem Geschichten. Fabian Bergmann und sein Team erzählen, was sie antreibt, welche Begegnungen unvergessen bleiben und wie sie das Auto mit viel Herzblut am Laufen halten.
05/18/2026
Vor 20 Jahren begann eine Idee, die mehr werden sollte als ein Autoprojekt: ein Fan‑Golf, auf dem Legenden unterschreiben. Heute trägt das Auto 37 Unterschriften von Weltmeistern und 15 Europameistern, erzählt von Gänsehaut‑Momenten und nächtelangen Schrauber‑Sessions in der Werkstatt. Fabian Bergmann steht neben dem Wagen, lächelt und sagt: „Man sieht nicht nur den Lack – man sieht all die Geschichten.“
In diesem Beitrag erzählen wir, wie sich Leidenschaft, Teamwork und handwerkliches Können zu einem rollenden Stück Fußballgeschichte verwandelten und warum der Golf dieses Jahr vielleicht sogar in New York zwischenfährt.
Fabi, wenn du heute vor dem Golf stehst – was siehst du zuerst: das Auto oder die Geschichten, die dahinterstecken?
Fabi: Das Auto steht vor mir und sofort sind hier unzählige Geschichten im Kopf. Alle Erlebnisse seit 1999, die ich mit meinem „Zweier“ erlebt habe und die wir ab 2006 dann gemeinsam im Team mit dem Fan-Golf erleben durften. Verschiedene Gespräche und Situationen mit großen Fußballern, Legenden und auch aktuellen Nationalspielern: Kurzes Abklatschen, lockerer Plausch und dann die Signatur auf dem Golf. Die Partymomente in den unzähligen Autokorsos nach grandiosen Siegen. Das Zujubeln und die Freude und Schmunzeln der Menschen beim Anblick des Golfs. Aber auch die unzähligen Stunden im Team, die am und um den Golf investiert wurden und den Golf zu dem gemacht haben, wie er nun auf den Straßen unterwegs ist.
Unsere Ziele haben wir schon mehrmals angepasst und jedes Mal denkt man: Wie soll das klappen? Die Antwort – wie immer im Leben – mit Leidenschaft, mit einem Team, mit einem konsequenten Willen und mit Menschen, die einen unterstützen: im privaten Umfeld, als auch als Partner zur Umsetzung der Ziele. DANKE an alle, die den Fan-Golf bis hierhin unterstützt haben. Die Reise geht weiter!

37 Weltmeister, 15 Europameister. Erzähle uns, welche Begegnung ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Fabi: Für mich persönlich ganz klar: Kaiser Franz Beckenbauer. Mit seiner Unterschrift hat es im Mai 2006 begonnen. Eine Legende und der größte deutsche Fußballer. Übrigens hat auch Heidi Beckenbauer den Golf 2025 im Rahmen des Besuchs der 1990er Weltmeistertreffs in Herzogenaurach gesehen. Ihre ersten Worte „Ach, das ist DER Golf, ja der ist ja unglaublich schön.“. Als ich ihr dann den Werdegang des Golfs beschreiben konnte, wurde es sehr emotional.

Ach, das ist DER Golf, ja der ist ja unglaublich schön.

Du machst das nicht alleine. Wer steht noch hinter dem Golf und warum braucht so ein Auto ein Team?
Fabi: 2006 war es ein Team von circa 6 oder 7 Leuten aus meiner damaligen Fußballmannschaft des FV Künzelsau. Von diesem Kernteam sind nach 20 Jahren noch mein Schwager, Steffen Kurz, und unser Mechaniker, Uwe Throm, am Start. Das Team hat über die mittlerweile 20 Jahre gezeigt, was möglich ist, wenn man daran glaubt und zusammen an den Zielen arbeitet: „auf und neben dem Platz“, um in der Fußballsprache zu bleiben.
Im Mai geht der Golf in den Container Richtung USA, damit ihr vor Ort dabei sein könnt. Was bedeutet dir das nach 20 Jahren, die du das nun schon machst?
Fabi: Er geht hoffentlich in die USA: das ist der ganz klare Plan, wobei wir aktuell nahezu jede freie Minute in verschiedene Gesprächen und Ausarbeitungen stecken und hier steckt wirklich sehr, sehr viel Aufwand dahinter. Wir hoffen, dass sich dieser Aufwand lohnt und die Amerikaner dem gepimpten-Golf in New York und auf der langen Reiseroute bewundern können.
Sollte es nicht klappen: der WM-Golf wird auf den Straßen in und um Deutschland unterwegs sein – ganz sicher!

Wie hast du die allererste Unterschrift bekommen? Erzähl die Geschichte – vom ersten Kontakt bis zu dem Moment, wo der Stift den Lack berührt hat.
Fabi: Im Vorfeld der Heim-WM, dem unvergesslichen Sommermärchen, mit enthusiastischen und positiven Momenten im ganzen Land (Deutschland präsentierte sich der Welt von seiner besten Seite) besuchte Franz Beckenbauer uns bei Würth in Gaisbach. Im Vorfeld habe ich über Dieter Münch, unseren damaligen Marketingleiter, Kontakt aufgenommen und über Franz' Berater angefragt, ob der Kaiser unser Fan-Auto signieren würde. Es kam die Zusage, wir parkten den Golf unter dem sog. „Flieger“ des Verwaltungsgebäudes und Franz kam auf den Golf und mich zu. Seine ersten Worte „Mei, wos hobt ern do für ein Auto?“ Besonders begeistert war er von den sehr alten Kickschuhen meines Vaters hinter der Windschutzscheibe („Helmut-Rahn-Style“). Er ist auf der Beifahrerseite eingestiegen, hat von mir einen Stift in die Hand gedrückt bekommen und im Deckenhimmel und anschließend auf der Motorhaube signiert. Das war der Startschuss für das Sammeln von weiteren Signaturen. Parallel war der Golf seither während allen Welt- und Europameisterschaften auf den Straßen unterwegs.
Gab es eine Begegnung, die dich menschlich wirklich überrascht hat? Nicht die berühmteste – sondern die unerwartetste.
Fabi: Jürgen Klinsmann, der sich im Adidas-Homeground in Herzogenaurach für einige Minuten Zeit genommen hat, sich mit einer ruhigen, angenehmen und bodenständigen Art über den Golf und uns informiert hat und aufgrund parallel anstehender Pressetermine versprochen hatte, später zu unterschreiben. Gesagt, getan: er kam später unaufgefordert zum Golf und signierte ihn. Wer weiß: vielleicht sehen wir ihn in der USA wieder, auch Franz Beckenbauer hat ja seine Spuren in der USA (in New York und Umgebung) hinterlassen.
Im Alltag: Die Polizei, die während all den Fahrten im Rahmen von Autokorsos und Feierlichkeiten besonnen und menschlich reagiert hat, DANKE dafür.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast – am Aufwand, an der Idee, am Sinn des Ganzen? Was hat dich weitermachen lassen?
Fabi: Mit diesen ebenfalls verrückten und zuverlässigen Jungs im Golf-Team: Nein, nie!
Die Sinn-Frage hat sich nie gestellt, im Gegenteil: was erwartet uns um die nächste Ecke, getreu dem ehemaligen Motto der Würth-Gruppe: „Vibrant Curiosity“, allzeit neugierig, aktiv und dran bleiben. Natürlich hat der Golf laufende Unterhaltskosten: ein Oldtimer-Kennzeichen würde ihm gut stehen, hier haben wir jedoch das Feedback erhalten, dass zu viel verändert wurde. Wobei alle Teile Original sind, bis auf wenige Verschleißteile, die mittlerweile getauscht wurden. Der Golf hat auch TÜV, ist regulär versichert und angemeldet.

Viele am Campus haben ihn schon gehört, dem LKW-Horn und der Fünfklang-Fanfare „La Cucarracha“ sei Dank.
Wie reagieren Menschen, die dem Golf zum ersten Mal begegnen? Was passiert in diesen ersten Sekunden – auf dem Campus, an der Tankstelle, bei einem Turnier?
Fabi: Allgemein: Die Menschen auf den Straßen Schmunzeln, Winken und Staunen, wir bekommen durchweg positive Resonanz, auch in persönlichen Gesprächen.
Auf dem Campus: Nun, ich würde sagen der Golf ist in der Zentrale seeehr bekannt. Auch wenn sicherlich noch nicht jeder den Golf live gesehen hat: viele am Campus haben ihn schon gehört, dem LKW-Horn und der Fünfklang-Fanfare „La Cucarracha“ sei Dank… An der Tankstelle und in Autokorsos nach erfolgreichen Spielen: sehr viel Stop&Go: Bilder und Videos entstehen, die Leute an der Tankstelle schauen sich die Unterschriften an. Das Autokorso beim WM-Sieg 2014 war unbeschreiblich: Gänsehaut. Ebenfalls die Fahrt 2006 entlang des Stuttgarter Hauptbahnhofs und dem DFB-Teamhotel: Die Menschen standen in 3er/4er-Reihen und jubelten dem Golf bei seiner Durchfahrt zu.
Was soll jemand fühlen, der diesen Golf sieht – egal ob Handwerkerin in Künzelsau, Kunde auf einer Messe oder Passant in New York?
Fabi: Positive Vibes, ein kurzer Moment des Erstaunens und ein Lächeln.
International und Interkontinental: Was ist möglich wenn Menschen zusammenarbeiten? Um es mit Alexander Gerst, dem ebenfalls aus Künzelsau stammenden Astronauten zu halten:
"In der Raumfahrt arbeiten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten eng zusammen, auf engem Raum und für ein gemeinsames Ziel. Das muss doch auch auf dem gesamten Planeten in Frieden möglich sein, denn wir alle leben auf einem und demselben Planeten."
Wie sieht für euch ein Tag aus, an dem ihr am WM-Golf arbeitet?
Fabi: Aufstehen, Frühstücken, Würth-Werkzeug in die Hand und Loslegen. Immer mit dem Blick: was kann man stabilisieren/optimieren, damit die Reise des Golfs erfolgreich weitergeht? Im Detail kann man das so gar nicht genau sagen… immer etwas anders. Aber eines ist doch immer gleich: ganz viel Herz, Leidenschaft und Teamarbeit fehlt nie!

Fast alles ist noch original.
Was ist das Besondere daran, an diesem Auto zu arbeiten – verglichen mit den Arbeiten an einem „normalen“ Auto?
Fabi: Da der Golf teilweise auch über mehrere Monate steht: Wieder in Gang bringen, wobei zumeist das Anschließen einer geladenen Batterie und etwas Sprit ausreichen!
Der Golf muss über Jahrzehnte laufen – durch ganz Europa, jetzt bis in die USA. Was braucht er technisch, damit er das alles mitmacht?
Fabi: Die jahrzehntelange Erfahrung eines Mechanikers, Danke an Uwe Throm! Einen neuen Kühler mit neuer Kühlerflüssigkeit für die zu erwartenden Temperaturen in den USA. Allgemein: Austausch der wichtigsten Verschleißteile und wir packen auch ein kleines Ersatzteilpaket an Verschleißteilen mit ein.
Wie viele Ersatzteile hat der Golf schon gebraucht? Wie viel ist wirklich noch original?
Fabi: Fast alles ist noch original. Bisher wurden nur Reifen, Keilriemen, Batterie; Anlasser, Bremsanlage, Wasserpumpe, Radlager und noch ein paar wenige Verschleißteile getauscht.
Der Fan-Golf erzählt nicht nur Fußballgeschichte, sondern auch eine Geschichte über Leidenschaft, Zusammenhalt und den Blick fürs Detail. Vielleicht ist genau das sein größter Reiz: dass hier nicht nur Unterschriften gesammelt wurden, sondern über viele Jahre hinweg Erinnerungen, Begegnungen und echte Teamarbeit sichtbar geworden sind.