Interview: "Wenn das Fenster sitzt, fängt die Verantwortung erst an."
Georg Henzgen über die Anforderungen an Software, Lieferanten und Schulung und warum Fachkompetenz wichtiger ist als das Produkt.
06/22/2026
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Wer Georg Henzgen fragt, was sich in der Fensterbranche in den letzten Jahren verändert hat, bekommt keine diplomatische Antwort. „Die Restriktionen sind wesentlich schärfer geworden", sagt er. „Und die dürfen es dir eigentlich nicht erlauben, außerhalb dieser Restriktionen zu arbeiten." Henzgen ist Geschäftsführer von WinTech Fenster GmbH, einem Fensterhersteller mit klarem Selbstverständnis: Man baut Fenster – und man baut sie richtig. Was das bedeutet, zieht sich durch das gesamte Gespräch.
Über WinTech:
WinTech Fenster GmbH ist ein Fensterhersteller mit Sitz im Rheinland. Das Unternehmen produziert Fenster- und Türsysteme und betreibt ein eigenständiges Montageunternehmen für den Objektbereich.

Georg Henzgen | Geschäftsführer WinTech Fenster GmbH & Co. KG
Normen, Software, Haftung – drei Seiten derselben Sache
WinTech arbeitet mit Profilsystemen von GEALAN, die auf Basis geltender Normen definieren, was mit ihren Profilen möglich ist und was nicht. „Du bist strikt an deren Vorgaben gebunden", erklärt Henzgen. „Nur dann hast du die entsprechenden Prüfzeugnisse."
Diese Vorgaben landen direkt in der Produktionssoftware. WinTech nutzt dafür die Planersoftware von GEALAN – ein System, das direkt an die Systemprüfungen und Zulassungen des Profils gekoppelt ist. Was nicht zulässig ist, lässt sich schlicht nicht mehr auswählen. „Von der Seite bin ich zu 100 Prozent versorgt", sagt Henzgen. Für Montagebetriebe, die nicht an ein solches Herstellersystem angebunden sind, stellt Würth eine eigene Statiksoftware zur Verfügung – ein Werkzeug, das genau dort ansetzt, wo diese Betriebe oft auf sich allein gestellt sind.
Der Grund für diese Konsequenz ist einfach: Wer ein Element baut, das statisch nicht passt, und auf der Baustelle passiert etwas, der haftet. Persönlich. „GmbH hin oder her spielt überhaupt keine Rolle." Bei besonders komplexen Bauvorhaben lässt WinTech deshalb zusätzlich externe Statiker rechnen. „Da überlassen wir nichts dem Zufall."
Das unterschätzte Detail: Abdichtung
Henzgen ist mit der WinTech Fenster GmbH & Co. KG Hersteller, kein Montagebetrieb. Aber er betreibt ein eigenständiges Schwesterunternehmen, das die Montage übernimmt. Und dort ist Abdichtung kein Randthema.
„Fehler, die dort gemacht werden, können dich die Existenz kosten", sagt er direkt. Besonders im Holzrahmenbau: Wird Feuchtigkeit nicht sauber abgeführt, fängt das Holz an zu faulen. Die Folge ist nicht nur ein Bauschaden. Es ist ein Haftungsfall.
Henzgen hat darauf reagiert. Alle Montagemitarbeiter sind IFT-zertifiziert. Vor einigen Monaten hat das Unternehmen gemeinsam mit Würth eine Informationsveranstaltung für Zimmereibetriebe organisiert mit dem Fokus auf korrekte Abdichtung am Bauwerk. „Wir messen diesem Thema eine sehr hohe Priorität bei", sagt Henzgen. Und er ergänzt, was ihn dabei antreibt: „Es nützt nichts, wenn jemand im Büro das Wissen hat. Die Monteure brauchen es auf der Baustelle."
Ein Problem, das die Branche kennt – aber nicht löst
Henzgen macht keinen Hehl daraus, dass er die Situation in Teilen der Branche kritisch sieht. „Fenster montieren kann im Prinzip jeder. Du brauchst im besten Fall einen Akkuschrauber, ein paar kleine Werkzeuge und dann kannst du loslegen." Dass dabei sehr viele Vorgaben zu erfüllen sind, sei vielen schlicht nicht bewusst. „Die halten sich nicht mit Absicht nicht dran. Die wissen es einfach nicht."
Weiterbildung sei in diesem Segment kein Thema, das mit großer Intensität verfolgt werde. Für WinTech als Hersteller ist das ein Problem: Wenn ein Kunde, der WinTech-Fenster verbaut, auf der Baustelle Fehler macht, fällt das auch auf den Hersteller zurück. Deshalb bietet WinTech seinen Kunden aktiv IFT-Seminare an. „Wir wollen, dass die Kunden und dessen Monteure geschult sind, damit sie ihre Arbeit vernünftig machen und in Zukunft noch bei uns Fenster kaufen können."

Was einen guten Partner ausmacht
Am Ende des Gesprächs wird Henzgen grundsätzlich. Was braucht ein Betrieb wie WinTech von einem Lieferanten?
„Eine Partnerschaft auf Augenhöhe", sagt er. Und dann, etwas direkter: „Wenn jemand nur zu uns kommt und Produkte verkaufen will, braucht er gar nicht erst anzuklopfen. Ich brauche keinen Außendienstler, der mir den Kaffee wegtrinkt."
Was er stattdessen braucht: jemanden, der die Fragestellungen seines Betriebs versteht. Der weiß, welches Befestigungssystem für welchen Untergrund geeignet ist. Der erreichbar ist, wenn es auf der Baustelle eng wird.
Bei Würth hat WinTech diesen Partner gefunden. Insbesondere in Person von Jens, dem zuständigen Außendienstmitarbeiter. „Er hat sich regelmäßig blicken lassen, auf eine sehr angenehme Art und Weise", sagt Henzgen. Inzwischen bezieht WinTech fast alle Materialien über Würth. „Das ist allein auf den Jens zurückzuführen."
Und dann, fast beiläufig, ein Satz, der die Logik dahinter auf den Punkt bringt: „Die Produkte sind zum großen Teil austauschbar. Was nicht austauschbar ist, ist die Kompetenz, die dir hilft, deinen Job gut zu machen."
