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Mehr Normen, mehr Verantwortung – wie HAGA Metallbau damit umgeht

Statischer Nachweis, Abdichtung, Vorfertigung: Mario Häpp von HAGA Metallbau erklärt, wie Metallbaubetriebe Normen systematisch umsetzen.

08/31/2026

Lesezeit

3 Minuten

Mario Häpp ist Technischer Geschäftsführer bei HAGA Metallbau, einem Unternehmen, das seit 50 Jahren Fenster, Fassaden und Türen aus Aluminium baut. Im Gespräch erklärt er, wie sein Betrieb mit wachsender Normenkomplexität umgeht, warum statische Nachweise und sorgfältige Abdichtung keine Kür sind, und was andere Betriebe daraus mitnehmen können.

HAGA


HAGA Metallbau GmbH ist ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Hofheim in Unterfranken. Das Unternehmen fertigt seit 50 Jahren Fenster, Fassaden und Türen aus Aluminium, Stahl und Glas, vom Gewerbebau bis zur Großfassade.


Mario Häpp ist Technischer Geschäftsführer bei HAGA Metallbau

Mario Häpp, Technischer Geschäftsführer HAGA Metallbau

Mehr Aufwand, aber beherrschbar

Das Bauen ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Windlasten, Absturzsicherung, Energieeffizienz: Normen, die früher nicht existierten, gehören heute zum Tagesgeschäft. Wer Projekte für Generalunternehmer oder öffentliche Auftraggeber abwickelt, weiß das. „Das Baumanagement ist deutlich anstrengender geworden, um es mal wohlwollend zu formulieren", sagt Mario Häpp.

Konkret bedeutet das: Projektleiter bei HAGA verbringen heute einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Schriftverkehr, baurechtlichen Abstimmungen und Nachweisdokumentation. Häpp schätzt das Verhältnis auf etwa fifty-fifty, also hälftig technische Arbeit, hälftig Administration. „Es gerät ein bisschen in den Hintergrund, diese eigentliche ingenieurstechnische Arbeit."

Wer das als Klage liest, versteht es falsch. Häpp sieht die gestiegenen Anforderungen als gegebene Rahmenbedingung, nicht als Ausrede. Die Frage ist nicht, ob man damit umgehen muss, sondern wie.

Statischer Nachweis: Pflicht, nicht Option

Bei HAGA gilt ein klarer Grundsatz: Jede Konstruktion muss nachweisbar sein. Nicht weil es immer explizit gefordert wird, sondern weil es im Streitfall entscheidend ist. Häpp erklärt das an einem konkreten Beispiel. Eine Scheibe geht innerhalb der Gewährleistungszeit kaputt. Ein Gutachter stellt fest, sie war unterdimensioniert. „Dann habe ich einen Mangel produziert, und schulde möglicherweise nicht nur eine neue Scheibe, sondern den Austausch aller Scheiben des Bauvorhabens."

Um solche Situationen zu vermeiden, hat HAGA einen eigenen Statikingenieur im Haus. Bei komplexen Projekten, etwa Elementfassaden mit schwerem Schallschutzglas, bei dem eine einzelne Scheibe bis zu 800 Kilogramm wiegen kann, werden externe Prüfstatiker eingebunden, bevor die Montage beginnt. Für die Dübelbemessung nutzt HAGA die Bemessungssoftware von Würth. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer Nachweise führt, kann im Streitfall belegen, dass er normkonform gearbeitet hat. Wer darauf verzichtet, trägt das Risiko allein. „Wenn ich den Nachweis nicht erstelle, habe ich ihn zumindest erbringbar zu halten", sagt Häpp. Das ist keine Formalität, sondern Haftungsschutz.

Für andere Betriebe bedeutet das: Auch wer keinen eigenen Statiker beschäftigt, sollte wissen, wann ein Nachweis nötig ist, und wissen, wie er ihn besorgt. Softwaregestützte Bemessung, wie sie Würth für die Dübelbemessung anbietet, ist dabei ein praktikabler Einstieg.

Abdichtung: Wo kleine Fehler teuer werden

Auf die Frage, ob Abdichtung in der Branche oft als nachrangig gilt, reagiert Häpp direkt: „Kann ich gar nicht nachvollziehen, ehrlich gesagt." Bei HAGA steht das Thema weit oben. Nicht aus Überzeugung allein, sondern weil das Unternehmen in der Vergangenheit selbst Lehrgeld bezahlt hat. „Wenn man mal einen Fehler gemacht hat und ihn für viel Geld ausgebessert hat, will man ihn nicht noch mal machen."

Die Konsequenz: regelmäßige Schulungen der Montagemitarbeiter, Baustelleneinweisungen durch Abdichtungshersteller, klare Materialkombinationen je nach Einbausituation. Für einfache Lochfenstermontagen setzt HAGA auf bewährte Fugendichtbänder. Bei komplexeren Situationen, etwa bodengebundenen Konstruktionen im Erdreichbereich, empfiehlt Häpp grundsätzlich Flüssigabdichtung.

Bei Projekten mit Nachhaltigkeitszertifizierung wie DGNB oder LEED kommt ein weiteres Thema hinzu. Solche Projekte schreiben häufig lösungsmittelfreie Kleber und Primer vor. Diese Produkte sind umweltverträglicher, aber temperaturempfindlich: Unterhalb von fünf Grad Celsius lassen sie sich kaum verarbeiten. Das schafft Konflikte auf Baustellen, die auch im Winter fertiggestellt werden sollen. Wer das nicht einplant, steht vor einem Materialwechsel unter Zeitdruck.

Ein weiterer Grundsatz, der sich bei HAGA durch alle Abdichtungsentscheidungen zieht: Schnittstellen zwischen Gewerken gehören nicht in die wasserführende Ebene. Wenn Fenster- und Rohbaugewerk aufeinandertreffen, entsteht eine Nahtstelle, an der beide Seiten Verantwortung tragen, aber keine Seite die volle Kontrolle hat. Genau dort darf kein Wasser eindringen. „Kein Mensch will eine Schnittstelle zwischen zwei Gewerken dort haben, wo es am gefährlichsten ist", sagt Häpp. Wer Abdichtungsdetails so plant, dass diese Schnittstelle außerhalb der wasserführenden Ebene liegt, vermeidet einen der häufigsten Streitpunkte auf der Baustelle. Für andere Betriebe gilt: Abdichtungsfehler sind selten sofort sichtbar, aber fast immer teuer. Wer Materialwahl, Verarbeitungsbedingungen und Gewerkeübergänge frühzeitig klärt, spart sich Nacharbeit und Haftungsrisiken.

Vorfertigung: Qualität unabhängig von der Baustelle

Eine Baustelle lässt sich nicht so kontrollieren wie eine Werkshalle. Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie hat Konsequenzen, wenn man sie ernst nimmt. HAGA geht deshalb zunehmend den Weg der Vorfertigung. Elementfassaden werden vollständig im Werk montiert und auf der Baustelle nur noch eingehängt. „Da wird weder ein Glas eingesetzt noch eine Schraube großartig reingedreht", sagt Häpp.

Der Hintergrund ist pragmatisch. Qualifizierte Monteure, die bereit sind, dauerhaft auf Baustellen zu arbeiten, sind schwer zu finden. Wer die Zahl der Handgriffe auf der Baustelle reduziert, ist weniger abhängig von dieser Situation. Gleichzeitig lassen sich im Werk Qualitätssicherungsprozesse installieren, die auf einer Großbaustelle mit vielen Monteuren auf einem weitläufigen Baufeld kaum umsetzbar sind. Das Ergebnis: weniger Fehler, bessere Dokumentation, geringeres Nacharbeitsrisiko. Für Betriebe, die ähnliche Projekte machen, lohnt es sich zu prüfen, welche Arbeitsschritte sich sinnvoll in die Werksvorfertigung verlagern lassen.

Was andere Betriebe mitnehmen können

Häpp macht keinen Hehl daraus, dass nicht alle Betriebe so arbeiten wie HAGA. Wer ausschließlich einfache Wohnhausbauten macht, wird mit statischen Nachweisen selten konfrontiert. Aber wer im Projektgeschäft unterwegs ist, bei Generalunternehmern, öffentlichen Auftraggebern oder im Gewerbebau, kommt daran nicht vorbei. Häpp rät jedem Betrieb, der in diesem Segment arbeitet, frühzeitig in Nachweiskompetenz zu investieren, sei es durch eigenes Personal, externe Statiker oder softwaregestützte Bemessung. „Ich kann nur raten: Macht das." Was ihn dabei beschäftigt, ist ein strukturelles Problem der Branche. Wer statische Nachweise führt, hat höhere Kosten als jemand, der darauf verzichtet. Im Angebot sieht das zunächst wie ein Nachteil aus. Wer den günstigeren Preis bietet, gewinnt manchmal den Auftrag, auch wenn die Grundlage dafür fehlt. „Das ist schlecht. Für alle." Für den Auftraggeber, der im Streitfall keinen belastbaren Nachweis bekommt. Und für die Betriebe, die sorgfältig arbeiten und trotzdem unterboten werden.

Konkret heißt das für Betriebe, die ähnliche Projekte anstreben:

  • Statischer Nachweis schützt vor Haftungsrisiken und macht Angebote gegenüber Auftraggebern belastbarer.
  • Abdichtungsdetails frühzeitig klären, Materialwahl auf Verarbeitungsbedingungen abstimmen, Gewerkeübergänge außerhalb der wasserführenden Ebene planen.
  • Vorfertigung wo möglich: weniger Abhängigkeit von Baustellenbedingungen, bessere Qualitätskontrolle, geringeres Nacharbeitsrisiko.
  • Softwaregestützte Bemessung als Einstieg, auch ohne eigenen Statiker im Haus.

Die Komplexität der Normen wird nicht abnehmen. Wer sie systematisch angeht, hat am Ende weniger Probleme als die Konkurrenz.

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