Mit Präzision und Technik

Um die Jahrtausendwende war das Skispringen in Deutschland die „Formel 1 des Winters“. Hunderttausende jubelten den damaligen Stars Sven Hannawald und Martin Schmitt zu. Nach einigen durchwachsenen Jahren kommen die deutschen Adler um Severin Freund und Carina Vogt seit geraumer Zeit wieder richtig ins Fliegen.

Nach Einzelgold bei den Olympischen Spielen 2014 war Vogt auch bei den Weltmeisterschaften 2015 in Falun und 2017 in Lathi nicht zu schlagen und sicherte sich jeweils den WM-Titel. Andreas Wellinger flog in beiden Einzelwettbewerben zu Silber. Gemeinsam mit Svenja Würth und Markus Eisenbichler gewannen Vogt und Wellinger auch im Mixed-Wettbewerb die Goldmedaille.

Entwicklungen im Skispringen

Das Fliegen hat die Menschen schon immer begeistert. Auch deshalb zählt Skispringen zu den beliebtesten Wintersportarten. Die Athleten begeistern bei den Weltcupveranstaltungen zigtausende Zuschauer in den Stadien und ein Millionenpublikum vor dem Fernseher mit weiten Sprüngen und perfekten Landungen im Telemark. Der Weltrekord steht aktuell bei sagenhaften 251,5 Metern. Sportsline hat sich die Entwicklungen im Skispringen genauer angeschaut und stellt Ihnen hier interessante Fakten vor:

• Die Ursprünge gehen zurück bis ins 18. Jahrhundert. Damals überquerten Bergbauern in der norwegischen Provinz Telemark kleinere Hügel mit Hilfe von Sprungeinlagen.

• Der erste nachweislich gemessene Sprung fand 1808 durch Leutnant Olaf Reye statt, dem ein Sprung auf 9,5 Meter gelang.

• 1860 erreichte der Norweger Sondre Norheim eine Weite von 30,5 Metern. Dieser Rekord wurde 33 Jahre lang nicht überboten.

• Bereits 1883 wurde die Telemarklandung eingeführt, bei der ein Skier bei der Landung etwas nach vorne und der andere etwas nach hinten geschoben wird. Diese Landung bringt noch heute hohe Wertungsnoten.

• Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten viele norwegische Skispringer in die USA aus. Dort konnte man Geld mit dem Skispringen verdienen und das Publikum war eher an großen Weiten und an spektakulären Sprüngen interessiert als an stilistischer Perfektion. Daher wurde mehr als die Hälfte der Weltrekorde in dieser Zeit in den USA aufgestellt.

• Bereits bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix gehörte Skispringen zum Programm. Das erste Gold gewann der Norweger Jacob Tullin Thams.

• 1936 knackte der Österreicher Sepp Bradl auf der Skisprungschanze in Planica als erster Mensch die 100 Metermarke.

• Bereits in den 1920er Jahren erkannte Dr. Reinhard Strautmann bei wissenschaftlichen Untersuchungen den entscheidenden Einfluss der Luft als tragendem Faktor. Er experimentierte mit Springern im Windkanal. Daraus entwickelte sich der sogenannte Fisch-Stil, der heute wegen der parallelen Skihaltung als Parallel-Stil bezeichnet wird. Dabei wurden die Arme im Flug nicht mehr ausgestreckt, sondern eng am Körper angelegt.

• 1951 beschlossen vier Männer aus Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen die Gründung einer der bis heute traditionsreichsten und beliebtesten Sportveranstaltungen, die Vierschanzentournee. Die erste Austragung fand 1953 statt. Bis heute gelang es mit Sven Hannawald im Jahr 2001/2002 nur einem Athleten alle vier Springen bei einer Austragung zu gewinnen.

• Eher durch Zufall wurde die größte Revolution im Skispringen, der V-Stil, 1986 entdeckt. Der bis dato unbekannte schwedische Skispringer Jan Boklöv wollte bei einem missglückten Trainingssprung einen Sturz vermeiden und nahm die Beine auseinander. Dadurch sprang er noch drei bis fünf Meter weiter und konnte sicher landen. Allerdings setzte sich diese Technik erst Anfang der 90er Jahre durch, auch weil es zu Beginn große Abzüge bei den Haltungsnoten gab.

• Mit dem V-Stil waren wesentlich größere Weiten möglich. 1994 gelang dem Österreicher Andreas Goldberger in Planica im Wettkampf der erste Sprung über 200 Metern. Der aktuelle Weltrekord steht bei sagenhaften 251,5 Metern und wurde vom Norweger Anders Fannemel 2015 gesprungen.