Peter Handke erhält den 10. Würth-Preis für Europäische Literatur

14.10.15

Künzelsau. Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Peter Handke wird mit dem 10. Würth-Preis für Europäische Literatur geehrt. Die Preisverleihung findet im Frühjahr 2016 in Stuttgart statt.

Peter Handke gilt als Grenzgänger zwischen den europäischen Regionen und Kulturen, Österreicher, Wahl-Franzosen und bekennenden Kärntner Slowenen, als Epiker, Dramatiker, Dichter, Essayist und Übersetzer, Fußwanderer und Einzelgänger, der den Blick auf die Übergänge und Randzonen weitet, auf die Schwellenräume, die Peripherien, Niemandszonen und Niemandsbuchten. Sein poetisches Lebensprinzip hat er über die Jahre hinweg immer mehr verfeinert: Er beobachtet sich selbst beim Weltbeobachten.

Immer empfindlicher wurde mit den Jahren seine Weltwahrnehmung, immer genauer seine Selbstwahrnehmung, immer strenger seine Selbstreflexion, immer durchlässiger und feinnerviger seine Sprache. Sein scheinbar zielloses Streunen im «Nebendraußen» ist ernster Dienst an der Sprachgestalt, immer auf der Suche nach den Wundern des Alltäglichen und Profanen, nach jenen Begeisterungs- und Intensitätsmomenten, in denen sich die geheime Hinterwelt der Dinge aufleuchtet und im Unscheinbaren das Utopische zum Vorschein kommt.

Handkes Werke sind Exerzitien in reiner Gegenwarts-Wahrnehmung. Seine großen Reise-Journale und das Quintett seiner essayistischen «Versuche» sind solche Übungen in Gegenwarts-Metaphysik. In ihnen bündeln sich Selbst- und Weltbeobachtung, Lektüre, Erinnerung, Selbstkritik und, immer öfter aufblitzend, Selbstverspottung. Sein Epos «Die morawische Nacht» ist nicht nur ein Abgesang auf sein Lebensthema – Traum und Trauma Jugoslawien –, sondern auch die Geschichte einer großen Selbstrevision und Selbstheilung mit poetischen Mitteln. Durch den Abschied vom Jugoslawien-Komplex befreit sich Handke aus dem Abseits, in das er sich im Balkan-Konflikt manövriert hat, und öffnet sich einer Neuorientierung der eigenen Haltung zur Welt.

Über den Würth-Preis für Europäische Literatur

Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis für Europäische Literatur wird alle zwei Jahre vergeben. Der Jury unter Vorsitz von Harald Unkelbach gehören folgende weitere Mitglieder an: Anna Maria Carpi, Lars Gustafsson, Harald Hartung, Sigrid Löffler, Jürgen Wertheimer sowie der Preisträger des jüngsten Würth-Preises für Europäische Literatur, Péter Nádas.

Die Preisträger seit 1998:

• 1998 Hermann Lenz

• 2000 Claudio Magris

• 2002 Claude Vigée

• 2004 Harald Hartung

• 2006 Herta Müller

• 2008 Peter Turrini

• 2010 Ilija Trojanow

• 2012 Hanna Krall

• 2014 Péter Nádas