10. Würth-Preis für Europäische Literatur an Peter Handke verliehen

24.03.16

Stuttgart/Künzelsau. Der österreichische Autor Peter Handke ist gestern mit dem 10. Würth-Preis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand im Hegelsaal der Stuttgarter Liederhalle statt. Für die Jury, bestehend aus dem Vorsitzenden Harald Unkelbach, Sigrid Löffler, Anna Maria Carpi, Lars Gustafsson, Harald Hartung, Jürgen Wertheimer und Péter Nádas ist er längst ein „Klassiker der Gegenwartsliteratur“.

Peter Handke, geboren1942 in Griffen (Kärnten), reflektiert in seinem Werk seine grenzüberschreitenden Kulturerfahrungen und wurde für sein Schaffen als Epiker, Dramatiker, Dichter, Essayist und Übersetzer bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen erklärte er 2007 mit den Worten: „Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muss durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.“

Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis für Europäische Literatur würdigt literarische Bemühungen um die kulturelle Vielfalt Europas und wird alle zwei Jahre vergeben. Er wird vor allem an Persönlichkeiten verliehen, die im Schnittpunkt unterschiedlicher Kulturen arbeiten, die sich mit europäischen Kulturtraditionen auseinandersetzen oder sich Problemen widmen, die in ihrem Land erst durch europäische Einflüsse entstanden sind. Ausgezeichnet werden also Autorinnen und Autoren, deren Werk und Leben Reflex dieser besonderen Kulturerfahrungen sind. „All dies trifft auf Peter Handke in besonderem Maße zu“, so die Jury.

Jens Harzer, Schauspieler und Autor, betonte in seiner Laudatio, wie tiefgründig und melancholische die Werke von Handke anmuten. „Immer wieder, Buch für Buch ist das Allein-sein-müssen, die Verlassenheit das Zentrum, in das Handke seine Figuren zerrt. Und in welches sich die Helden selber zerren.“ Harzer selbst fühlt sich mit der literarischen Welt Handkes sehr verbunden. „Vieles was ich las, wurde zu meinem eigenen, oder besser gesagt: sollte auch zu meinem eigenen werden“. Handke spricht sich in seiner Danksagung für eine geeinte Europäische Union aus und betont: „Europa kann nichts ersetzen“.

Die literarische Gattung spielt bei der Preisverleihung des Würth-Preises für Europäische Literatur keine Rolle. Die Jurymitglieder gehören als Literatur- und Kulturvermittler verschiedensten Sparten an. Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, lobte Würth bei der Preisverleihung für das kraftvolle, nachdrückliche und verlässliche Engagement für Kultur. So trage der Preis dazu bei, europäische Identität und Bürgerbewusstsein zu stiften.

Die Preisträger seit 1998:

  • 1998 Hermann Lenz
  • 2000 Claudio Magris
  • 2002 Claude Vigée
  • 2004 Harald Hartung
  • 2006 Herta Müller
  • 2008 Peter Turrini
  • 2010 Ilija Trojanow
  • 2012 Hanna Krall
  • 2014 Péter Nádas
  • 2016 Peter Handke