Zwischen Performance und Architektur: Der Bildhauer Jeppe Hein erhielt den zehnten Robert-Jacobsen-Preis.

26.04.12

Künzelsau/Bad Mergentheim. Der Bildhauer Jeppe Hein erhielt den zehnten Robert- Jacobsen-Preis der Stiftung Würth. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung fand am 21. April 2012 im Rahmen der Ausstellung „Dreidimensional! Zeitgenössische Kunst im Kurpark. Die Sammlung Würth zu Gast in Bad Mergentheim“ in der Wandelhalle im Kurpark von Bad Mergentheim statt. Die Entscheidung der Jury, dem Künstler den Preis zu verleihen, fiel einstimmig.

Nach dem Besuch der Akademie der Künste in Kopenhagen und der Städelschule (Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt) ist der 1974 geborene Künstler seit 1999 mit einer Fülle bemerkenswerter Projekte und viel beachteten Ausstellungen international bekannt geworden. Er ist ein Bildhauer, der sich auf spezifische räumliche Situationen einlässt und diese transformiert, indem er Objekte hinzufügt oder aber in die Strukturen eingreift, um dem Betrachter auf prägnante Weise komplexe ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen. In einem Zwischenbereich von Architektur und Design arbeitend, reflektiert Hein immer wieder den Gegensatz von Innen und Außen, von Real und Irreal, von autonomem Objekt und angewandter Gegenständlichkeit. Die sinnlich räumliche Wirkung steht im Zentrum fast aller seiner Arbeiten. Bei seinen bevorzugten Materialien handelt es sich um Wasser, Feuer, Dampf, aber auch um Spiegel, Neonröhren, Bewegungsmelder und Überwachungskameras. Er operiert mit einem Formvokabular, das aus dem Bauhaus-Vorkurs, der konstruktivistischen Kunst und vor allem der Minimal Art geläufig ist: Kreis, Würfel, Kugel und geometrische Flächen. Seine Objekte sind häufig selbst aktiv oder können vom Betrachter aktiviert werden. Hein konterkariert die spezifische Erwartungshaltung des durchschnittlichen Ausstellungs- oder Museumsbesuchers, indem er immer wieder physikalische Gesetze und Regeln unterläuft und scheinbar in Frage stellt. So konnte er im Laufe der Jahre eine prägnante und unverkennbare Bildsprache entwickeln, die überlieferte Traditionen ironisiert oder teilweise sogar ad absurdum führt. Der Würfel, eines der zentralen Elemente der Minimal Art (Carl Andre, Donald Judd), gerät bei ihm in Bewegung oder fängt sogar an zu brennen. Gleiches gilt für ein Kugelobjekt (360° Presence, 2002), das sich zu bewegen beginnt, sobald ein Betrachter den Ausstellungsraum betritt. Aber nicht nur das: Die Kugel beschädigt die umliegenden Wände und kann potenziell zur Zerstörung des gesamten Ausstellungsareals werden. Gerade diese destruktiven Momente und die ins Groteske verkehrte Funktionalität von Gebrauchsgegenständen zeichnen die Arbeiten von Jeppe Hein immer wieder aus. Oft ist es aber auch ein humoristisches Element, das seinen Objekten einen unverkennbaren Charakter verleiht. Indem er zwischen Performance und Architektur, zwischen öffentlichem Raum und musealer Sphäre vermittelt, erreicht der Künstler immer wieder ein breites Publikum, ohne dass sich in seinen verfremdeten Parkbänken, seinen Spiegellabyrinthen oder kinetischen Brunnen anbiedernde und vordergründig unterhaltsame Aspekte manifestieren würden. Durch die aktive Einbeziehung der Betrachter gewinnen seine verblüffenden und faszinierenden Arbeiten ihren Sinn und ihre Bedeutung, die die rein ästhetische Sphäre transzendieren.

Info: Robert-Jacobsen-Preis

Alle zwei Jahre zeichnet die Stiftung Würth zeitgenössische bildende Künstler mit dem Robert-Jacobsen-Preis aus. Der Preis wird im Andenken an den im Jahr 1993 gestorbenen dänischen Bildhauer Robert Jacobsen vergeben. Nach Lun Tuchnowski (1993), Richard Deacon (1995), Magdalena Jetelová (1997), Gereon Lepper (1999/2000), Stephan Kern (2001/2002), Rui Chafes (2003/2004), Bernar Venet (2005/2006), Monika Sosnowska (2008/2009), Alicja Kwade (2010/2011) folgt nun Jeppe Hein einer beachtlichen Reihe von Bildhauern, denen der Robert-Jacobsen-Preis von der Stiftung Würth bislang verliehen wurde.

Die Jury des Robert-Jacobsen-Preises konstituiert sich aus dem Stiftungsvorsitzenden Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth vertreten durch C. Sylvia Weber, Direktorin Sammlung Würth, Professor Hans Baschang, München, Sean Rainbird, Direktor Staatsgalerie Stuttgart, Professor Harald Siebenmorgen, Direktor Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Lun Tuchnowski, Bildhauer, München, Professor Armin Zweite, Direktor Museum Brandhorst München, Alicja Kwade als vorherige Preisträgerin sowie als Ehrenmitglied Maria Jacobsen, der Witwe Robert Jacobsens.

Info: Stiftung Würth

Die Stiftung Würth wurde 1987 von Reinhold und Carmen Würth zur Förderung von Wissenschaft, Forschung sowie von Kunst und Kultur ins Leben gerufen. Sie fördert eine Vielzahl an Projekten aus Kunst und Kultur, Forschung, Wissenschaft sowie Bildung und Erziehung. Das Stiftungskapital beträgt derzeit 6,5 Millionen Euro. Die Stiftung Würth entfaltet eigene Aktivitäten und fördert darüber hinaus Projekte anderer Veranstalter mit Schwerpunkt auf der Region Hohenlohe. Besonders bedeutsame Projekte, die bisher eine regelmäßige Förderung erfahren haben, sind der Hohenloher Kultursommer sowie der in diesem Rahmen alle zwei Jahre stattfindende Internationale Violinwettbewerb der Kulturstiftung Hohenlohe, die Oper der Jeunesses Musicales Deutschland in Weikersheim und die Arbeit des Historischen Vereins Württemberg-Franken. 2005 wurde beispielsweise das Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung Baden-Württemberg unter dem Dach der Stiftung eingerichtet, dessen Ziel es ist, Schulen näher an Wirtschaftsthemen heranzuführen.

Des Weiteren ist die Stiftung Würth Trägerin der 2006 gegründeten Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau, einer Privatschule mit Ganztagsbetreuung für alle Bildungsgänge – von der Vorschule bis zum Abitur. Die Schule arbeitet nach einem eigenen pädagogischen Konzept. Die von der Stiftung Würth verwaltete Stiftung zur Förderung der Reinhold- Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn in Künzelsau widmet sich der Förderung von Forschung und Lehre an dieser Hochschule. Derzeit vergibt die Stiftung Würth folgende Preise

  • Würth Preis der Jeunesses Musicales Deutschland
  • Robert-Jacobsen-Preis
  • Würth Bildungspreis

Weitere Preise wie der Würth-Literaturpreis und der Würth-Preis für Europäische Literatur werden von der Adolf Würth GmbH & Co. KG vergeben.