Karl Ove Knausgård und Judith Schalansky bei der Tübinger Poetik-Dozentur 2019

15.08.19

Der norwegische Schriftsteller und die deutsche Schriftstellerin sind von 1. bis 6. Dezember 2019 an der Universität Tübingen zu Gast

Künzelsau/Tübingen. Der Schriftsteller Karl Ove Knausgård und die Schriftstellerin Judith Schalansky sind dieses Jahr von 1. bis 6. Dezember Gäste der von der Stiftung Würth geförderten Tübinger Poetik-Dozentur. Die literarische Veranstaltungsreihe findet zum 33. Mal an der Universität Tübingen statt. Die Vorlesungen im Audimax und in der Alten Aula stehen allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei.

Karl Ove Knausgård beginnt die Reihe mit einer Lesung in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall am Sonntag, den 1. Dezember. Am Montag, den 2. Dezember, eröffnet der norwegische Schriftsteller dann mit einer Vorlesung über sein Schreiben die Tübinger Veranstaltungen. Am Dienstag, den 3. Dezember, wird er in einer zweiten Vorlesung seine literarischen Anliegen darlegen, die sich auf die Übersetzung des eigenen Lebens in seine Texte richten. Auch Judith Schalansky beschäftigt sich in ihren beiden Vorträgen am Mittwoch, den 4. Dezember, und Donnerstag, den 5. Dezember, mit der Frage, wie Literatur entsteht; anders als Knausgård geht sie dabei nicht vom eigenen Ich, sondern von Gegenständen, Dingen und ihrer Schreibumwelt aus. Diesen Prozess wird sie zudem am Donnerstag und Freitag Studierenden in einem Schreibworkshop näherbringen.

Die Termine im Überblick

Lesung von Karl Ove Knausgård am Sonntag, 1. Dezember 2019, 11.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. Die Lesung ist ausgebucht.

Vorlesungen von Karl Ove Knausgård und Judith Schalansky an der Universität Tübingen

  • Montag, 2. Dezember: Vorlesung von Karl Ove Knausgård (Audimax)
  • Dienstag, 2. Dezember: Vorlesung von Karl Ove Knausgård (Audimax)
  • Mittwoch, 4. Dezember: Vorlesung von Judith Schalansky (Alte Aula)
  • Donnerstag, 5. Dezember: Vorlesung von Judith Schalansky (Alte Aula)

Die Veranstaltungen in Tübingen finden um 20 Uhr im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz, 72074 Tübingen) und in der Alten Aula (Münzgasse 30, 72070 Tübingen) der Universität Tübingen statt.

Schreibworkshop mit Judith Schalansky

Donnerstag, 5. Dezember und Freitag, 6. Dezember: Workshop für Studierende mit Judith Schalansky. Anmeldung unter sara.bangert@uni-tuebingen.de.

Kurzbiografien

Karl Ove Knausgård

Karl Ove Knausgård, 1968 in Oslo geboren, gilt als einer der einflussreichsten norwegischen Schriftsteller seiner Generation. Seit dem Studium der Kunstgeschichte und Literatur an der Universität Bergen verfasste er zahlreiche Romane und Essays. Bereits sein Debüt „Ute av verden“ (1998) wurde mit dem norwegischen „Kritikerprisen“ ausgezeichnet. Sein sechs Bände umfassender autobiografischer Romanzyklus „Min Kamp“, der in Norwegen 2009 bis 2011 erschien, erregte internationales Aufsehen und erhielt zahlreiche Preise. Knausgårds Werke wurden in 30 Sprachen übersetzt und unter anderem mit dem Brageprisen, dem Welt-Literaturpreis, dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur sowie dem Nordischen Preis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet. Knausgård schreibt für Zeitschriften wie The New Yorker und The New York Times Magazine. In seinem Pelikan-Verlag publiziert er Bücher von Peter Handke und Christian Kracht.

In dem Romanprojekt „Min Kamp“, dessen erster Band 2011 in Deutschland unter dem Titel „Sterben“ erschien, widmet Knausgård sich verschiedenen Etappen seines Lebens: „Sterben“ behandelt das schwierige Verhältnis zu seinem Vater. In „Lieben“ (2012) setzt er sich mit seiner Familie, der Beziehung zu seiner Frau und mit der Frage auseinander, was bleibt, wenn die Romantik vom Alltag eingeholt wird. Auch in den weiteren Bänden der Reihe geht Knausgård die wichtigen Stationen seines Lebens ab – immer in Verbindung mit essenziellen Fragen des Lebens. „Kämpfen“ (2017), der 1300 Seiten umfassende letzte Teil des Romanzyklus, der dessen einzelne Bände und deren Wirklichkeitsnähe thematisiert, setzt kurz vor dem Erscheinen des ersten Bands ein. Der Band befasst sich mit den Reaktionen der Familie auf die radikal offene Erzählweise und die Auswirkungen, die sich daraus für die darauffolgenden Bände ergaben. Die erzählte Zeit tritt näher an die des Schreibens heran, am Schluss schließt sich der Kreis der Erzählung.

Auf „Min Kamp“ folgte 2015 und 2016 die Jahreszeiten-Tetralogie, die Knausgård als „persönliche Enzyklopädie von Dingen aus meinem näheren Umfeld“ beschreibt, und deren Inhalt Briefe an seine zu diesem Zeitpunkt noch ungeborene Tochter bilden, in denen er sich mit Gegenständen des Alltags auseinandersetzt. Die deutsche Übersetzung erschien 2017 und 2018. In „Så mye lengsel på så liten flate“ (2017), in Deutschland 2019 erschienen unter dem Titel „So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche. Edvard Munch und seine Bilder“, nähert sich Knausgård auf persönliche Weise den Bildern Edvard Munchs, indem er zu Orten fährt, an denen Munch lebte, und mit Künstlern über dessen Lebenswerk spricht. Sein neuester Roman „Fuglene under himmelen“ (2019), der die Geschichte dreier Generationen von Frauen erzählt, bildet die Vorlage für die Performance „Venter“ unter der Regie von Calixto Bieito, die auf dem Bergen-Festival 2019 Premiere feierte.

Judith Schalansky

Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, ist Schriftstellerin, Verlegerin und Buchgestalterin. Sie lebt mit ihrer Partnerin Bettina Hoppe in Berlin. Schalansky studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Potsdam und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Danach lehrte sie typografische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam. Als erste Publikation erschien 2006 ihr typografisches Kompendium „Fraktur mon Amour“. Mit ihren selbstgestalteten Büchern erhielt sie schnell internationale Aufmerksamkeit. Ihre Werke, die in 20 Sprachen übersetzt wurden, wurden mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, dem Preis der Literaturhäuser, dem Hölderlin-Förderpreis und dem Irmtraud-Morgner-Literaturpreis ausgezeichnet. Seit 2013 ist sie Mit-Herausgeberin der Buchreihe „Naturkunden“.

Ihr 2008 erschienenes literarisches Debüt „Blau steht dir nicht“ erzählt von einer Kindheit an der Ostseeküste der DDR, der Sehnsucht nach Freiheit und einer jungen Frau, die die Welt bereisen möchte. 2009 wurde ihr aufwändig selbstgestaltetes Buch Atlas der abgelegenen Inseln mit dem ersten Preis der Stiftung Buchkunst als „schönstes deutsches Buch des Jahres“ ausgezeichnet. Darin befasst sie sich mit in jeder Hinsicht schwer erreichbaren Orten, die sie mit ihrer detaillierten Miniaturprosa zum Leben erweckt. Ihre jeweils einer Insel gewidmeten Erzählungen handeln von seltenen Dingen aller Art und werden von Illustrationen begleitet. Auch ihr 2011 publizierter Bildungsroman „Der Hals der Giraffe“ wurde mit dem ersten Preis der Stiftung Buchkunst bedacht. Ihrem aktuellen Werk „Verzeichnis einiger Verluste“ wurde in Deutschland bereits vor Erscheinen der Wilhelm-Raabe-Preis zugesprochen. Hier erstellt sie ein erzählerisches Verzeichnis jener Dinge, die im Lauf der Weltgeschichte verloren gegangen sind. Die Erzählungen zeichnen sich nicht nur durch erzählerische Vielfalt, sondern auch durch ihre Figuren aus, die gegen die unausweichliche Vergänglichkeit ankämpfen.

Tübinger Poetik-Dozentur

Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autorinnen und Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Uwe Timm, Siri Hustvedt, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Brigitte Kronauer, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Amos Oz und Herta Müller. Die Lesung in der Kunsthalle Würth wird gefördert von der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

Weitere Informationen unter www.poetik-dozentur.de.

Karl Ove Knausgård

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Bildnachweis: André Løyning

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Judith Schalansky

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Bildnachweis: Jürgen Bauer

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