David Grossman erhält den 12. Würth-Preis für Europäische Literatur

13.12.19

Künzelsau. Der israelische Schriftsteller David Grossman wird mit dem 12. Würth-Preis für Europäische Literatur geehrt. Die Stiftung Würth verleiht die Auszeichnung im Frühsommer 2020 im Carmen Würth Forum in Künzelsau.

David Grossman, 1954 in Jerusalem geborener Nachfahre polnischer Einwanderer, ist um die Feinheiten der Sprache mindestens so bemüht wie um den Frieden im Nahen Osten. Mit höchster Intensität setzt sich Grossman mit dem heutigen Israel auseinander. Sein Opus Magnum, der Antikriegsroman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ (2009), erzählt zum einen die anrührende Geschichte einer Frau, die die Kriegslogik zu durchbrechen versucht, andererseits ist das 700-Seiten-Werk eine Wanderung entlang der Geschichte des Staates Israel vom Jom-Kippur-Krieg bis zur Gegenwart. Grossman ist zudem Verfasser zahlreicher Bücher für Kinder und Jugendliche, darunter „Zickzackkind“ und „Wohin du mich führst“. 2010 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, 2017 den Man Booker International Prize für seinen Roman „Kommt ein Pferd in die Bar“.

In früheren literarischen Arbeiten beschäftigte der israelische Autor sich mit der versunkenen und zerstörten Welt der Schtetl, der Städte und Viertel mit jüdischen Bevölkerungsmehrheiten in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg. Wie er in seiner politischen Essay-Sammlung „Die Kraft zur Korrektur“ (2008) schreibt, betrachtet er deren Bewohner, die Opfer der Shoah, ob sie Mottel, Tewje, Lili und Shimek heißen, als seine Leute.

Grossman gilt als eine sehr reflektierte Stimme aus der Region, Grabenkämpfe und schwarz-weiße Weltbilder liegen seinem Denken fern. Seine Romane und Essays sind nuanciert, poetisch und politisch zugleich. Seit Jahrzehnten setzt er sich als Friedensaktivist für eine Aussöhnung im Nahen Osten ein. „Seine moralische Integrität, seine Unbestechlichkeit, sein Mut haben David Grossman zu einer Stimme aus Israel werden lassen, die in der ganzen Welt gehört wird“, begründete die Jury des 12. Würth-Preises für Europäische Literatur ihre Wahl. So wolle man die Verleihung des Preises an einen europäisch geprägten Autor in Zeiten eines aufkeimenden Antisemitismus auch als Zeichen der kulturellen Verbundenheit verstanden wissen.

Über den Würth-Preis für Europäische Literatur

Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis für Europäische Literatur wird alle zwei Jahre vergeben. Der Jury unter Vorsitz von Harald Unkelbach, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth, gehören an: Anna Maria Carpi, Harald Hartung, Sigrid Löffler, Jürgen Wertheimer, Denis Scheck, Péter Nádas sowie der Preisträger des Würth-Preises für Europäische Literatur 2018, Christoph Ransmayr.

Die Preisträger:

  • 2018 Christoph Ransmayr
  • 2016 Peter Handke
  • 2014 Péter Nádas
  • 2012 Hanna Krall
  • 2010 Ilija Trojanow
  • 2008 Peter Turrini
  • 2006 Herta Müller
  • 2004 Harald Hartung
  • 2002 Claude Vigée
  • 2000 Claudio Magris
  • 1998 Hermann Lenz