Klein, fein, mobil: Wie ein Startup mit nachhaltigen Tiny Häusern den Markt erobern will

Titelbild Klein, fein, mobil: Wie ein Startup mit nachhaltigen Tiny Häusern den Markt erobern will

Junges Handwerk

Das norddeutsche Startup noordsk.studio möchte kleine mobile Häuser für eine Übernachtung in der unberührten Natur bauen, vermieten und verkaufen. Die Tiny Häuser werden nachhaltig gebaut, hochwertig designt und seine Bewohner leben autark. Wir haben mit den Gründern über ihr Konzept, die ersten Schritte und den aktuellen Stand Ihres Startups gesprochen.

Naturnah und komfortabel übernachten auf 21 Quadratmetern: Die Tiny Häuser des norddeutschen Startups noordsk.studio verbinden ökologisches Bauen mit einem individuellen Naturerlebnis. Aktuell arbeitet das drei-köpfige Team am Prototyp ihres ersten Minihauses. Dabei setzen die jungen Gründer auf Nachhaltigkeit und regionale Produkte. Würth unterstützt sie bei der Materialbeschaffung. Wir zeigen Ihnen, wie der Prototyp gebaut wird und wie ein Startup mit Themen wie Wirtschaftlichkeit, Finanzierung oder der Gestaltung des Geschäftsmodells umgeht.

Die Idee: Wenn ein Gedanke zum Startup wird

Tiny Häuser bauen, vermieten und verkaufen – damit wollen Leif Erik Boysen (30), Carl-Felix Lentz (31) und Arne Trost (29) auf dem Markt punkten. Ihre Minihäuser auf Rädern sollen Übernachtungen mitten in der Natur ermöglichen und ein nachhaltiges Tourismusangebot schaffen für Entschleuniger, Natururlauber und die Gruppe der LOHAS (Lifestyle Of Health And Sustainability).

Die Idee zu den mobilen Tiny Häusern entstand im Gespräch von Carl-Felix Lentz mit einer Freundin aus Kopenhagen. Sie pendelte zwischen Heimat, Schlei und Flensburg – zwischen Eltern, Schwiegereltern und Freunden. Durch die ständigen Ortswechsel war sie auf der Suche nach einem Rückzugsort, der ihr dennoch das Gefühl von den eigenen vier Wänden vermittelt.

Die langjährigen Freunde Leif Erik Boysen und Carl-Felix Lentz waren da bereits mobil unterwegs. Sie reisten gemeinsam in ihrem umgebauten Transporter durch Europa. Unterwegs reifte die ursprüngliche Idee zum ernsthaften Gründerplan heran. „Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, sich von Lärm und Schnelllebigkeit der Stadt eine Auszeit zu gönnen“, erzählt Carl-Felix Lentz: „Einfach mal kein Internet, keine ständige Erreichbarkeit – dafür viel unberührte Natur und Ruhe.“

Im April 2018 entschlossen sich der Tischlergeselle und der Tischlermeister, Nägel mit Köpfen zu machen. Sie bewarben sich erfolgreich für ein Gründungsstipendium in Schleswig-Holstein, seit September werden sie finanziell unterstützt. „Dank der Förderung können wir jetzt auf Hochtouren an unserem ersten Prototyp arbeiten und unser Konzept überprüfen“, freut sich Carl-Felix Lentz. Bis Ende Februar 2019 soll das erste Tiny Haus von noordsk.studio stehen.

Sie wollen ebenfalls Gründer werden? Weitere Informationen zu Fördermöglichkeiten und Gründerstipendien finden Sie hier:

Das Konzept: Natur erleben und erhalten

Tiny Häuser sind im urbanen Kontext schon seit einigen Jahren ein Thema. Das Leben auf wenigen Quadratmetern wird gerne als Lösung für die Wohnungsnot in Großstädten angepriesen. Die Gründer von noordsk.studio sehen das Potential ihrer Häuser jedoch in einem anderen Kontext: Die mobilen vier Wände sollen ein Rückzugsort in der Natur werden.

„Wir möchten eine Vermietung etablieren, die es den Bewohnern ermöglicht, jederzeit zwischen Stadt und Land zu wählen“, erklärt Arne Trost. „Gleichzeitig werden wir unsere Tiny Häuser natürlich auch zum Verkauf anbieten“.

Auf einer Fläche von 21,4 Quadratmetern bieten die Minihäuser Raum für Einzelpersonen, Pärchen oder Familien. Über Plattformen wie die Ostseefjord Schlei Tourismus GmbH oder Airbnb sollen Interessierte je nach Bedarf und Standort das gewünschte Tiny Haus wählen können. Direkt auf einen 6 Meter langen Trailer gebaut, können die Häuser jederzeit beliebig versetzt werden und hinterlassen dann keine Spuren. „Die Bewohner und das Haus sollen im Einklang mit der Natur sein“, sagt Leif Erik Boysen.

Der Transport im Straßenverkehr ist kein Problem, denn das Gewicht des Tiny Hauses übersteigt die 3,5 Tonnen-Marke nicht. Wer möchte, kann das Minihaus auch abnehmen und auf Stützen stellen. Wohngesundheit, Nachhaltigkeit und der Trend zum Minimalismus spiegeln sich im Konzept und in der Bauweise der Häuser wider. Bei den Materialien setzt das Team je nach Möglichkeit auf regionale Produkte. Bei der Ausstattung zählt: Aufs Wesentliche reduziert, aber trotzdem so komfortabel wie möglich.

Schreiner verkleidet Innenwand im Tiny House

Die Bauweise: Nachhaltig und wohngesund

Das erste Tiny Haus von noordsk.studio entsteht gerade in einer Scheune auf einem alten Gutshof in Langballig. 2,55 Meter breit, 4 Meter hoch und 7,50 Meter lang ist das Haus in Skelettbauweise. „Unser Anspruch ist, so nachhaltig und wohngesund wie möglich zu bauen. Um geeignete Materialien und Systeme zu finden haben wir uns mit Unternehmen aus Deutschland und dem skandinavischen Raum ausgetauscht“, sagt Arne Trost. Wir haben die key facts zum Prototypen für Sie zusammengefasst:

Fassade: Mit CO2 behandeltes Fichtenholz. Durch die Behandlung wird die Zellstruktur verändert und die Langlebigkeit kann auf 30 Jahre gesteigert werden.

Stromversorgung: Solarpanele auf dem Dach. Alternativ gibt es die Möglichkeit, das Häuschen selbst ans Netz anzuschließen.

Dusche: Das zirkulare Duschsystem von Orbitalal Systems sorgt für einen möglichst geringen Wasserverbrauch. Beim Duschen wird das Wasser direkt wieder gefiltert. So kann man mit nur 10 Litern lange und entspannt duschen.

Toilette: Die eingebaute Trenntoilette separiert feste und flüssige Stoffe. So bleibt der Fäulnisprozess aus, unangenehmer Geruch wird vermieden und es ist keine zusätzliche Chemie nötig.

Heizung: Das Minihaus wird über einen Holzofen beheizt.

Dämmung: Durch die Skelettbauweise wird das Haus ähnlich gedämmt und verkleidet wie ein Fachwerkhaus. Das Dämmmaterial besteht aus regionalem, nicht brennbaren Seegras. Dank dem hohen Salzgehalt wird dieses Gras nicht modrig.

Fenster: Sensoren am Fenster messen den CO2- Gehalt in der Luft. Sie öffnen automatisch, wenn die Werte kritisch werden sollten. Außerdem sind die Fenster mit Regensensoren versehen und schließen, wenn es nass wird.

Panoramafenster: Eine der kurzen Seiten des Minihauses ist komplett mit Sicherheitsglas ausgestattet. Bewohner genießen daher vom Sofa aus den Ausblick in die unberührte Natur.

Mehr Informationen zum Thema „Wohngesund bauen“ finden Sie in unserem Magazinbeitrag "Wohngesund bauen: Was es bringt und worauf Bauherren achten sollten".

Würth liefert passende Materialien

Wie kam es dazu, dass die Tiny-Haus-Bauer von Würth unterstützt werden? „Als Handwerker war das Unternehmen bei Carl-Felix und Leif natürlich bekannt. Für uns ist es Gold wert, einen Partner mit breitem Angebot und der nötigen Expertise an der Hand zu haben“, sagt Arne Trost. Maik Guenther, Regionalmanger Kiel/ Flensburg hat in dem Projekt noordsk.studio sofort Potential gesehen: „Das Nachhaltigkeitskonzept der jungen Gründer hat uns begeistert“, sagt er. noordsk.studio greife mit den Tiny Häusern einen aktuellen und wichtigen Trend auf. „Für uns stand schnell fest, dass wir die jungen Gründer beim Bau des Prototypen unterstützen“.

Bei einem Vor-Ort-Termin prüften Gründer und Regionalmanager gemeinsam, welche Materialien für das Tiny Haus geeignet und erforderlich sind. Neben den Würth Wohngesund Fassadenbahnen, den Folien für die Fassadendämmung sowie den Tiomos und Dynapro Beschlägen liefert Würth insbesondere Handwerkzeuge, Schutzhandschuhe, Verbrauchsmaterialien und C-Teile.

Eine Auswahl der eingesetzten Produkte finden Sie am Ende dieses Artikels und natürlich in unserem Online-Shop.

Noordsk.studio Gründer

Die Noordsk.studio Gründer Leif Erik Boysen (30), Carl-Felix Lentz (31) und Arne Trost (29).

Erfolgsfaktor Team: Wissen austauschen, Kompetenzen ergänzen

Erfolgreiche Gründer zeichnen sich durch bestimmte Eigenschaften aus. Für das Trio von noordsk.studio sind das kreatives Denken, handwerkliches Geschick und betriebswirtschaftliches Verständnis. „Wir tauschen uns aus und lernen unglaublich viel voneinander. Darauf kommt es an, und nur so kommen wir voran“, sagt Arne Trost.

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler unterstützt das Team seit September. Über einen Magazinbeitrag ist er auf das Projekt aufmerksam geworden und hat direkt Kontakt mit den Gründern Leif und Carl-Felix aufgenommen. „Innerhalb von ein paar Stunden haben Carl-Felix und Leif mir geantwortet“, erzählt er: „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt“. Als BWL-Kopf des Teams übernimmt er in erster Linie die Ausarbeitung des Geschäftsmodells sowie Preisgestaltung und Wettbewerbsanalysen.

Die Mischung aus handwerklichen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen sehen die Gründer als Erfolgsfaktor für ihr junges Startup. Ratschläge und Tipps holen sie sich außerdem von einem erfahrenen Zimmerermeister. „Werner Leba hat 40 Jahre als Zimmerer gearbeitet. Er hat uns etwa bei der Materialauswahl oder der Dachkonstruktion wertvolle Ideen geliefert und unterstützt uns weiterhin als Mentor“ , sagt Carl-Felix Lentz.

Ausblick: Innenausbau und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells

Die Hülle des ersten Tiny Haus der Gründer soll bis Ende Januar komplett geschlossen sein (Fassade, Fensterelemente). Dann geht es an den Innenausbau. Dieser soll in Modulbauweise erfolgen. „Gemeinsam mit Freunden und potentiellen Kunden wollen wir erarbeiten, was gebraucht und gewünscht wird“, kündigt Arne Trost an. Das klare Ziel sei, die Häuser nicht mit technischen Funktionen und Möglichkeiten zu überfrachten. Vielmehr möchte man den Kunden durch die Modulbauweise ermöglichen, das zu wählen, was sie wirklich brauchen.

„Unser Geschäftsmodell steht noch nicht final fest“, sagt Arne Trost. Weitere Modelle, digitale Steuerung von Sensorik und Solarpanelen und geeignete Stromspeicher seien nur ein paar von den vielen Ideen, die den Gründern für die Weiterentwicklung ihres Konzepts vorschweben. „Wir müssen bei all dem aber immer darauf achten, die richtige Balance zu finden“, betont der Wirtschaftswissenschaftler. „Der nächste Schritt ist, mit unserer Zielgruppe in Kontakt zu treten und gemeinsam am Innenausbau zu feilen“.

Auch dabei kann Würth die jungen Gründern unterstützen: Der Wüdesto Möbelbaukonfigurator bietet maßgenaue Lösungen für den Innenausbau. Mehr Informationen zum Konfigurator erhalten Sie in unserem Magazinbeitrag „Möbelbau 4.0 - mit dem Würth Wüdesto Möbelbaukonfigurator“:

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