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DIN EN 1992-4: Neue Regelung für die Bemessung von Verankerungsmitteln in Beton

Die DIN EN 1992-4 regelt die Bemessung von Befestigungsmitteln im Beton neu. Wir zeigen Ihnen die Änderungen auf.

Anne Sutanto

Anne Sutanto

Mi., 15.05.2019

Lesezeit

8 Minuten

Im April 2019 wurde die DIN EN 1992-4 „Bemessung der Verankerung von Befestigungen im Beton“ veröffentlicht. Mit dieser Norm ist die Bemessung von Befestigungsmitteln im Beton nun normativ geregelt. Innerhalb der DIN EN 1992-4 werden jetzt mechanische und chemische Dübel aber auch Kopfbolzen und Ankerschienen behandelt. Durch die Norm werden die bisherigen Regelungen zur Bemessung ersetzt. Für Metallanker ist das die ETAG 001, Annex C - für chemische Anker der Technical Report TR 029. Ergänzt durch die Technischen Reports TR 020 für die Bemessung im Brandfall und dem TR 045 für den Lastfall Erdbeben.

Was legt die DIN EN 1992-4 fest?

Der Inhalt der DIN EN 1992-4 ähnelt stark den Regelungen der vorher genannten Dokumente. Mit dem Erscheinen der ETAG 001, Annex C im Jahr 1997 wurde die Bemessung von Metallankern enorm verändert. Es wurden detailliert die einzelnen Versagensfälle diskutiert und das Arbeiten mit Teilsicherheitsbeiwerten wurde eingeführt. In den Jahren wurde das Bemessen von Dübel durch drei Änderungen der ETAG 001, Annex C optimiert und mit Veröffentlichung der Technischen Reports auf weitere Produkt- und Anwendungsfelder erweitert. Die DIN EN 1992-4 führt diese Entwicklung fort. Im Folgenden werden die wichtigsten Änderungen erläutert.

Zylinderdruckfestigkeit statt Würfeldruckfestigkeit

Eine der wesentlichen Änderungen durch die DIN EN 1992-4 ist die Verwendung der Zylinderdruckfestigkeit statt der Würfeldruckfestigkeit des Betons. Dies hat beispielhaft Auswirkung auf die Ermittlung des Widerstands bei Betonausbruch auf Zug und Querkraft oder beim Betonkantenbruch. Diese Versagensfälle sind regelmäßig die Maßgebenden. Entsprechend bedeutend ist eine Diskussion dieser Änderung auf die Dübelbemessung.

Im Folgenden wird der charakteristische Widerstand für die Versagensart kegelförmiger Betonausbruch diskutiert. Der charakteristische Widerstand eines im Beton montierten einzelnen Befestigungselementes, ohne Einfluss benachbarter Befestigungselemente oder Betonbauteilränder, errechnet sich nach DIN EN 1992-4, Kapitel 7.2.1.4 bzw. nach ETAG 001, Annex C; Kapitel 5.2.2.4 wie folgt:

Durch die Verwendung der geringeren Zylinderdruckfestigkeit ist ein entsprechend geringerer rechnerischer Bauteilwiderstand zu erwarten. Gleichzeit schlägt DIN EN 1992-4 die Erhöhung des Faktors k1 auf 7,7 statt der vormals gegebenen 7,2 vor. Bei einer wirksamen Verankerungstiefe hef von 100mm ergeben sich die charakteristischen Bauteilwiederstände über die Betonfestigkeit wie folgt:

Der charakteristische Widerstand für den Versagensfall Betonausbruch bei Zuglast reduziert sich entsprechend um bis zu 5,7% bei der Betongüte C35/45.

Dauerlast an Verbundankern

Bei Verbundankern stellt sich im Lastfall Zug ein kombiniertes Versagen aus Herausziehen und Betonbruch ein. Der charakteristische Widerstand eines Einzeldübels ohne Einfluss von Rändern oder benachbarten Dübeln kann nach DIN EN 1992-4, Kapitel 7.2.1.6 nachfolgender Formel gerechnet werden:

Hierbei berücksichtigt der Faktor ψsus den Einfluss einer Dauerlast auf Verbundanker. Der Technical Report TR029 hat diesen Faktor bisher nicht gekannt. Ist der Anteil einer Dauerlast an der Gesamtlast an einem Verbundanker hoch, wird mit dem Faktor ψsus der charakteristische Widerstand reduziert. Es gelten folgende Bedingungen:

In den europäisch technischen Bewertungen der Würth Verbundanker sind derzeit noch keine Werte für ψ0sus angegeben. Die DIN EN 1992-4 empfiehlt für solche Fälle den Wert ψ0sus = 0,6 anzusetzen. Die Randbedingungen für diesen Wert sind in der Norm mit einer Betriebsdauer von 50 Jahren und einer mindestens für 10 Jahren anliegenden Dauerlast bei 43°C Betontemperatur beschrieben. Wird in der Bemessung der Anteil der dauerhaften Lasten nicht berücksichtigt, muss asus mit 1 angesetzt werden. ψsus ist dann ψ0sus bzw. Stand heute 0,6 – der charakteristische Widerstand in der Versagensart kombiniertes Versagen auf Herausziehen und Betonbruch muss um 40% reduziert werden. Beträgt der Anteil der Dauerlast in diesem Beispiel hingegen weniger als 60%, kann auf eine Reduktion verzichtet werden. Für eine effiziente Bemessung von Verbundankern wird das Verhältnis der Dauerlast zur Gesamtlast lohnend. In der Würth Technical Software II kann der Anteil der Dauerlast wie gezeigt eingegeben werden. Relevant sind hierbei nur Kraftkomponenten, die am Verbundanker Zug erzeugen.

Überdrückter Ausbruchkegel

Mit der DIN EN 1992-4 wird der Faktor ψM,N neu eingeführt. Er berücksichtigt die Auswirkung von Druckkräften zwischen dem Anbauteil und dem Beton im Fall von Biegemomenten in der Versagensart Betonausbruch auf Zug. Ein Biegemoment an der Ankerplatte erzeugt ein Kräftepaar aus Zug im Anker und einer Druckkraft auf den Beton. Liegt diese Druckkraft innerhalb des Ausbruchkegels wirkt sie sich positiv auf das Tragverhalten aus. Unter bestimmten Voraussetzung kann das in der Bemessung berücksichtigt werden.

ψM,N errechnet sich nach DIN EN 1992-4, Kapitel 7.2.1.4 wie folgt:

Mit z als dem inneren Hebelarm des Kräftepaares und hef der wirksamen Verankerungstiefe.

Um die Erhöhung durch den Faktor ψM,N anwenden zu können, muss die Druckkraft innerhalb des Betonausbruchkegels liegen, der Betonausbruchskegel nicht durch einen Randeinfluss gestört werden und der Anteil einer äußeren Zugkraft nicht zu groß sein. Sobald Betonausbruch maßgebend ist, kann mit dem Faktor ψM,N durchaus eine Laststeigerung um 20% realisiert werden. Dies jedoch nur unter dafür günstigen Bedingungen wie einer „kleinen“ Ankerplatte, einer dazu im Vergleich großen effektiven Einbindetiefe des Dübels oder einer äußeren Druckkraft.

Trennung Interaktion Betonversagen/Stahlversagen

Nachdem die Widerstände in den Versagensarten ermittelt wurden, kann die Ausnutzung bestimmt werden. Hierbei ist eine Interaktion zwischen Zug- und Querkräften zu berücksichtigen. DIN EN 1992-4 unterscheidet in Kapitel 7.2.3.1 in Stahlbruch und anderen Versagensarten. Die Würth Dübelbemessungssoftware weist entsprechend die Ausnutzung beider Interaktionsbedingungen aus. In der ETAG 001, Annex C wurde nur ein Interaktionsnachweis geführt. Auch hier konnte für Stahlversagen eine günstigere Bedingung angesetzt werden, sobald Stahlversagen auf Zug und Querkraft maßgebend wurde. Diese Überprüfung entfällt mit der DIN EN 1992-4. Das Regelwerk ist an dieser Stelle ansonsten identisch mit der ETAG 001. Stahlversagen wird in aller Regel nur dann maßgebend, wenn eine Biegung in der Ankerstange nachzuweisen ist.

Umsetzung in Software und Verwendbarkeitsnachweisen

In den europäisch technischen Bewertungen (ETA) der entsprechenden Dübelprodukte wird definiert, auf welcher Basis die Bemessung erfolgen kann. In absehbarer Zeit werden die ETAs von Metallankern und Verbundankern geändert werden und hier auf die DIN EN 1992-4 als Bemessungsgrundlage verweisen. Im Würth Produktsortiment haben diesen Schritt die Bolzanker W-FAZ (ETA 99/0011), das Injektionssystem WIT-UH 300 (ETA-17/0127) und die Betonschrauben (ETA 16/0043) schon vollzogen – weitere Produkte werden in Kürze folgen. In der Würth Dübelbemessungssoftware ist die DIN EN 1992-4 schon enthalten. Der Anwender muss sich jedoch zunächst keine Gedanken machen welche Bemessungsregel er wählen sollte. Die Auswahl des passenden Bemessungskonzepts hängt am Produkt bzw. der damit verknüpften ETA. Entsprechend wird die Software über die Produktauswahl die richtige Wahl treffen.

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