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Ruhe? Bitte! – Alles über Schallschutz bei gebäudetechnischen Anlagen

Eine ruhige Wohn- und Arbeitsatmosphäre erhöht das Wohlbefinden. Wir zeigen Ihnen, welchen Einfluss Rohrschellen auf den Schallschutz haben und worauf Sie bei Kauf und Einbau achten sollten.

Anne Sutanto

Anne Sutanto

Mi., 19.02.2020

Lesezeit

4 Minuten

Knacken, Rauschen, Klopfen: Wird der Schallschutz nicht ordnungsgemäß ausgeführt, können Geräusche in Rohren oder Heizkörpern deutlich zu hören sein. Ein großes Ärgernis, vor allem in Mehrfamilienhäusern und Bürogebäuden. Privatsphäre und Wohlbefinden leiden unter der unzureichenden Schalldämmung. Beschwert sich der Kunde bei Planer oder Installateur, kann der bauliche Mangel auch rechtlich zum Problem werden.

Was ist ordnungsgemäßer Schallschutz?

Luft- und Trittschallübertragung, Installationsgeräusche, Schallgrenzwerte: Rechtlich verbindliche und bauaufsichtlich geregelte Mindestanforderungen rund um den Schallschutz legt die DIN 4109 fest. Diese sollen vor unzumutbaren Geräuschbelästigungen schützen, garantieren aber nicht absolute Privatsphäre. Wenn der Nachbar duscht oder die Toilettenspülung betätigt, kann dies durchaus noch zu hören sein.

Mehr Komfort durch erhöhten Schallschutz bietet die VDI Richtlinie 4100. Sie ist als Ergänzung zur DIN 4109 zu verstehen und beinhaltet besonders niedrige Schallschutzwerte: In Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern beträgt der Grenzwert 25 dB(A). Rechtlich verbindlich ist die VDI Richtlinie 4100 allerdings nur, wenn sie im Werkvertrag vereinbart wurde.

Eine weitere Ergänzung bietet die DEGA Empfehlung 103. Die deutsche Gesellschaft für Akustik hat sieben Schallschutzklassen definiert, mit denen der Schallschutz in Gebäuden bewertet wird. Gebäude erhalten einen Schallschutzausweis, durch den sofort ersichtlich wird, mit welcher Lautstärke angehende Käufer und Mieter rechnen müssen. Ein Beispiel: Bei Schallschutzklasse A sind Nutzergeräusche ≤ 25 dB(A) erlaubt, Schallschutzklasse F schneidet mit > 45 dB(A) deutlich schlechter ab.

Wie vermeiden Sie Haftungsrisiken?

Unzureichende Schallschutzmaßnahmen sind im Nachhinein nur noch schwer oder mit extrem hohem Aufwand korrigierbar. Es ist deshalb wichtig, schon im Bauvertrag entsprechende Teilabnahmen während der Bauphase festzulegen. So lassen sich planerische und handwerkliche Fehler im Vorfeld aufdecken.

Kommt es trotz guter Planung zu Fehlern rund um den Schallschutz, wird dem Installateur eine Frist zur Nacherfüllung eingeräumt. Der Auftraggeber kann aber auch vom Vertrag zurücktreten, die Vergütung mindern oder Schadenersatz verlangen.

Wie kommt es zu störenden Geräuschen?

Schall ist nicht gleich Schall: Er kann sich in festen (Körperschall), flüssigen (Flüssigkeitsschall) und gasförmigen (Luftschall) Medien ausbreiten. Schallwellen, die störende Geräusche in Gebäuden verursachen, haben häufig mehrere dieser Stadien durchlaufen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Es ist Waschtag bei den Nachbarn und die Waschmaschine pumpt Wasser ab. Im Abflussrohr entstehen Flüssigkeits- und Körperschall. Durch Rohrschellen werden die Schallwellen auf das Wohnhaus übertragen und breiten sich im Baukörper als Körperschall weiter aus. Der Schall hat nun schon eine ganz schöne Strecke hinter sich, es geht aber noch weiter: An Wänden, Decken und Böden wird der Körperschall in Luftschall umgewandelt und so kommt es, dass Sie hören, wann der Nachbar Wäsche wäscht.

Vermieden werden können störende Geräusche, indem Trinkwasser-, Abwasser- und Heizungsleitungen oder Pumpen schalltechnisch vom Baukörper entkoppelt werden. Dies gelingt durch schallschutzgeprüfte Rohrschellen.

Welche Rohrschellen sind die richtigen?

Gummieinlage oder nicht, Solar- oder Kälterohrschelle: Um den Überblick im Rohrschellendschungel zu behalten, geben wir Ihnen Tipps, die Sie beim Kauf unbedingt beachten sollten.

  • Verwenden Sie Rohrschellen mit einer Dämmeinlage, etwa Gummi. Diese leitet den Körperschall nur sehr schlecht weiter.
  • Kaufen Sie Rohrschellen mit Schallschutznachweis. Achten Sie darauf, dass bei der Schallschutzprüfung die Durchgangsdämpfung gemessen wurde. Sie liefert verglichen mit der Einfügungsdämpfung die akustisch sichereren Werte.
  • Wählen Sie die passende Rohrschellengröße und betrachten Sie Rohrschellenserien kritisch, die mit unterschiedlichen Durchmessern, aber einheitlichem Schallwert ausgezeichnet sind. Das Dämpfungsvermögen hängt sehr stark vom Durchmesser der Rohrschellen ab.
  • Beachten Sie den Verwendungszweck der Rohrschelle: Eine Solarleitung wird heißer und dehnt sich stärker aus als etwa eine Warmwasserleitung.

Was müssen Sie beim Einbau beachten?

Nicht nur der Kauf, auch der Einbau von Rohrschellen erfordert Fachkenntnisse. Diese Hinweise können Ihnen helfen, den Schallschutz in Gebäuden zu gewährleisten:

  • Ziehen Sie Rohrschellen nicht zu fest. Der Gummi darf nicht herausquellen.
  • Entfernen Sie den Gummi der Rohrschellen auf keinen Fall.
  • Betrachten Sie Rohrschellen nicht losgelöst von zugehörigen Produkten wie Montageschienen oder Rohrsystemen.
  • Reduzieren Sie die Zahl der einzelnen Befestigungspunkte so weit wie möglich. Dafür eignen sich etwa Verteilleitungstrassen und Montageschienen.
  • Bewahren Sie Rohrschellen unterschiedlicher Fabrikate getrennt und beschriftet auf.

Fazit

Eine Einbindung des Themas in die frühe Planungsphase hilft Ihnen, Haftungsrisiken zu vermeiden. Würth unterstützt Sie mit schallschutzgeprüften Rohrschellen und weiteren schallschutzgeprüften VARIFIX®-Bauteilen wie Schienengummi, Schalldämmelement und Gummimetallpuffer. Die passende Schienenkonstruktion finden Sie mit der Technical Software von Würth.

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