Wie Sie Gewinde einfach und schnell reparieren
Hier lesen Sie, wie Sie ein defektes Gewinde schnell und einfach reparieren können: Für Profis und Werkstätten ist das Gewindebuchsen-Set TIME-SERT® die ideale Lösung.
07/29/2026
Lesezeit
5 Minuten
Nach fest kommt lose. Diese alte Handwerker-Weisheit lernt man spätestens in der Ausbildung. Dreht eine Schraube durch, weil das Innengewinde beschädigt ist, folgen Frust und Mehrarbeit. Doch nicht immer muss das gesamte Bauteil ersetzt werden, wenn ein Gewinde überdreht wurde. Mit Gewindebuchsen können Sie metrische Gewinde einfach und kostengünstig reparieren. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es funktioniert.
Reparieren oder austauschen? Wann eine Gewindereparatur sinnvoll ist
Überdrehen, ein ungeeignetes Werkzeug, Verschleiß oder Materialermüdung: Die Ursachen für defekte Gewinde sind vielfältig, die Folgen gravierend. Beschädigte Gewinde führen zu gelockerten Verbindungen, Instabilität oder Funktionsausfällen. Nur intakte Gewinde gewährleisten sichere Befestigungen, optimale Kraftübertragung und zuverlässige Funktion. Reparaturen sind daher oft unvermeidlich.
Defekte Gewinde erkennt man an sichtbaren Beschädigungen wie Rissen, Ausfransungen und Verformungen. Schrauben oder Muttern, die sich lösen, durchdrehen oder schwer eindrehen lassen, deuten ebenfalls auf Schäden hin. Bevor Sie das Bauteil austauschen, lohnt sich ein genauer Blick: Ein Austausch des kompletten Bauteils ist oft teuer, aufwendig oder gar unmöglich, zum Beispiel wenn das Bauteil schwer oder gar nicht mehr erhältlich ist. Die wirtschaftliche Alternative ist dann eine fachgerechte Reparatur mit Gewindebuchsen.
Welche Gewindeschäden lassen sich reparieren?
Eine Gewindereparatur ist sinnvoll, wenn der Austausch des gesamten Bauteils teurer, zeitaufwändiger oder technisch unmöglich ist. Auch bei schwierigen Einbausituationen lohnt sich die Reparatur, ebenso wenn Bauteile nicht mehr oder nur sehr schwer erhältlich sind. Voraussetzung ist eine ausreichende Wandstärke für das Aufnahmegewinde der Buchse: Das Material um das Bohrloch muss den Kräften beim Bohren und Schneiden sowie der späteren Belastung standhalten.
In bestimmten Fällen ist jedoch der Kompletttausch des Bauteils das sicherere Vorgehen. Eine Gewindereparatur ist nicht möglich, wenn
- die (Rest)Wandstärke des Gewindes zu gering ist
- das Bauteil Beschädigungen wie Risee oder Verformungen aufweist
- das Bauteil stark korrodiert ist

Gewindereparatur mit Gewindeeinsätzen: Das TIME-SERT®-System
Das TIME-SERT®-System verwendet massive Stahlbuchsen. Die Buchse ist aus Vollmaterial spanend gefertigt, hat aber eine dünne Wandstärke – so passt sie auch in enge Einbauräume. Da die Buchse mit dem Werkstück verpresst wird, eignet sie sich auch für hohe Dauerbelastungen sowie für häufiges Ein- und Ausschrauben. Die Buchsen passen für metrische ISO-Regel-, Fein- und Zollgewinde.
Durch die synchron verlaufenden Gewindegänge sind TIME-SERT®-Buchsen sehr dünnwandig und damit für viele Materialien wie Aluminium, Messing, Stahl oder Gusswerkstoffe einsetzbar. Die Buchse wird mit dem Werkstück verpresst, die Gewinde sind nach der Reparatur dicht gegen Wasser, Öl und Gas.
Obwohl das System ohne Einkleben auskommt, sitzt der Gewindeeinsatz fest. Er sichert sich selbst durch das automatische Ausformen der nicht voll ausgebildeten Gewindegänge beim Eindrehen. Der starke Büchsenbund gewährleistet die exakte Positionierung während der Bearbeitung, eine zusätzliche Fixierung am Werkstück ist nicht erforderlich.
Zum Gewindereparatur-Set Time-Sert®
Einfache Gewindereparatur bei metrischen Gewinden und UNC-Gewinden in 5 Arbeitsschritten
Schritt 1: Restgewinde ausbohren: Mit dem HSS-Bohrer bohren Sie das beschädigte Gewinde bis zum Grund auf. Achten Sie dabei auf die Führung.
Schritt 2: Vertiefung mit dem Sitzfräser ansenken: Achten Sie dabei darauf, dass Sie nur bis zur äußeren Kante des Sitzfräsers in die Ausbohrung eintauchen.
Schritt 3: Neue Gewinde schneiden: Schneiden mit dem Gewindebohrer bis zur vollen Tiefe der Bohrung.
Achten Sie auch hierbei auf die Führung der Bohrung und verwenden Sie Schneidöl. Blasen Sie anschließend das Gewinde mit Druckluft aus.
Schritt 4: Buchse eindrehen: Trennen Sie nun von Hand das Eindrehwerkzeug von der Gewindebuchse und ölen Sie dieses ein. Anschließend wird die Buchse mit dem Eindrehwerkzeug eingeschraubt.
Schritt 5: Gewindegänge ausformen und Buchse fixieren: Sitzt die Buchse oberflächenbündig, werden die letzten Gewindegänge mit dem Eindrehwerkzeug ausgeformt. Der Eindrehwiderstand erhöht sich dabei spürbar, denn in diesem Schritt werden die nur teilweise vorgeschnittenen Gewindegänge der Buchse nach außen gedrückt und das überschüssige Material in das Werkstück gepresst.

Typische Fehler bei der Gewindereparatur – und wie man sie vermeidet
Fehler können die Qualität der reparierten Gewindestelle beeinträchtigen, zu den häufigsten Problemen bei der Reparatur mit Gewindeeinsätzen gehören:
Falsche Bohrergröße
Zu groß: die Buchse hat keinen Halt
Zu klein: Die Buchse lässt sich nicht oder nur sehr schwer eindrehen
- Verwenden Sie die vom hersteller empfohlene Bohrergröße
Schiefes Bohrloch
Die Buchse lässt sich nur exakt einsetzten, wenn die Bohrung im 90 Grad-Winkel zum Werkstück ausgeführt ist.
- Führen Sie den Bohrer gerade.
Zu wenig Schneidöl
Übermäßige Reibung und Temperaturentwicklung führen zu erhöhtem Verschleiß der Werkzeuge, Verkanten oder Verklemmen der Werkzeuge und unsauberen Gewindeflanken.
- Achten Sie auf ausreichende Schmierung.
Späne sind nicht vollständig entfernt
Späne können in das Bauteil fallen und Beschädigungen verursachen, Gewindeflanken beschädigen oder zum Verkanten von Werkzeugen und Schrauben führen.
- Entfernen Sie die Späne mit Druckluft und verwenden Sie Schneidöl oder Montagefett, um die Späne zu binden.
Buchse sitzt nicht bündig
Steht die Buchse über, ist die Abdichtung nicht gewährleistet.
- Achten Sie beim Ansenken der Vertiefung mit dem Sitzfräser auf exakte Maße und schrauben Sie die Buchse bündig ein.
Anwendungsbereiche
Die Gewindereparatur kann im Automotive-Bereich ebenso eingesetzt werden wie im Maschinenbau oder der Feinwerktechnik:
- Zündkerzengewinde
- Stehbolzengewinde
- Lichtmaschinen- und Klimabefestigungen
- Achsenbefestigungen und Stehbolzen
- Instandsetzung
- Leichtbaukonstruktionen: überall dort, wo Leichtmetalle verwendet werden müssen, um Gewicht zu sparen
- Für die Gewindereparatur in der Lebensmittelproduktion stehen spezielle Edelstahlbuchsen zur Verfügung.
Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Würth Österreich Online-Magazin und wurde von Ingrid Reichenauer verfasst. Überarbeitet wurde der Artikel 07/2026.