Richtig dübeln: Auf was Sie achten sollten
Welcher Dübel passt? Dieser Beitrag zeigt, wie Sie den Untergrund richtig einschätzen und typische Fehler vermeiden.
08/24/2026
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Sie kennen es, oder? Das kleine Päckchen mit den mitgelieferten Kunststoffdübeln und Schrauben zur Befestigung von Lampen, Möbeln oder sonstigen Einrichtungsgegenständen. Oft wird unterschätzt, dass die richtige Befestigung von vielfältigen Faktoren abhängt und oft auch in baurechtlich relevant Regelwerken reglementiert ist.
In diesem Beitrag erläutern wir die wichtigsten Eckpfeiler zum korrekten Einsatz von Dübeln und geben wertvolle Einblicke in die häufigsten Fallstricke und wie Sie diese direkt vermeiden können.

Wie erkenne ich meinen Verankerungsgrund?
Als Verankerungsgrund wird das Material bezeichnet, in dem der Dübel befestigt wird (z.B. eine Wand, eine Decke oder eine Mauer). Zusätzlich kann eine – für Dübel - nichttragende Schicht vorhanden sein. Diese nichttragende Schicht besteht häufig aus Fliesenkleber und Fliesen, Putz oder Dämmmaterial.
Alleine daran erkennen Sie schon gut, dass die mitgelieferten Dübel nicht die Allzweckwaffe sind. Denn „kein Hersteller – egal von welchen Produkten – kann konkrete Vorgaben für die Auswahl einer Befestigung machen. Kein Hersteller kann wissen, welchen Verankerungsgrund Sie für Ihre Befestigungsaufgabe gerade vor sich haben, außer er schreibt direkt den erforderlichen Verankerungsgrund mit vor.“, so Dr. Jürgen Küenzlen, Befestigungsexperte.
Es gilt also, vor jeder Befestigung den Verankerungsgrund zu prüfen und festzustellen, aus welchem Material dieser besteht und wie dieser aufgebaut ist. Vom Verankerungsgrund hängen wesentlich die Wahl des Dübelsystems und die richtige Montage ab.
Sollten Sie Ihren Bauunterlagen nicht entnehmen können, aus welchem Material Ihr Verankerungsgrund ist, helfen zwei einfache Tricks bei der ersten Bestimmung.
Was verrät der Klopftest über die Wand?
Als erste Orientierung können Sie durch Klopfen ermittelten, ob es sich um Plattenwerkstoffe oder Dämmungen handelt oder um eine massive Wand. Während erstere einen vergleichsweise hohlen Ton wiedergeben, klingt eine massive Wand sehr dumpf.
Was sagt die Farbe des Bohrmehls aus?
Die Probebohrung dient Ihnen im ersten Schritt nur zur Bestimmung des Verankerungsgrunds und nicht als Bohrloch für die Verankerung. Deshalb sollten Sie darauf achten, dass die Probebohrung durch das anzubringende Bauteil später verdeckt wird, ohne jedoch die Tragfähigkeit der Befestigung zu beeinflussen.
Zur Durchführung der Probebohrung verwenden Sie am besten einen Mehrzweckbohrer mit extra scharfen Hartmetallschneiden, ein Durchmesser von 8 mm ist vollkommen ausreichend. Wichtig ist, dass Sie Ihre Maschine in den Drehgang bringen, um die Unterscheidung zwischen gleichmäßigem Gleiten oder ruckartigem Bohrfortschritt zu spüren.
Gleitet der Bohrer fortlaufend und ohne Ruckeln durch die Wand, ist von einem Vollmaterial als Untergrund auszugehen. Achten Sie nun auf die Farbe des Bohrmehls. Ist dieses grau, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Beton oder Betonsteine handelt. Zeigt sich rotes Bohrmehl, so ist ein Mauerwerk aus Ziegel oder Klinker wahrscheinlich. Bei weißem Bohrmehl kommen vermutlich Kalksandsteine oder Porenbeton in Frage. Durch Porenbeton würden Sie deutlich schneller bohren als durch Kalksandstein.
Ist der Bohrfortschritt eher ruckartig, wechseln Sie den Bohrer auf 18 mm. Dann handelt es sich bei Ihrem Verankerungsgrund um ein Mauerwerk aus Lochsteinen. Durch den größeren Bohrdurchmesser können Sie zumindest näherungsweise die Breite der Kammern im Stein und die Dicke der inneren Wände des Steins ermitteln.
Dr. Küenzlen empfiehlt dazu folgendes Vorgehen:
Auch hier kann anhand der Farbe des Bohrmehls ein Rückschluss auf den wahrscheinlichen Verankerungsgrund gezogen werden. Ist das Bohrmehl grau, handelt es sich vermutlich um Hohlblocksteine aus (Leicht-)Beton. Bei rotem Bohrmehl sind Hochlochziegel wahrscheinlich. Weißes Bohrmehl weist auf Kalksand-Lochsteine hin.

Weitere Tipps zum Verankerungsuntergrund
„Möchten Sie Ihr Anbauteil an einer Wand befestigen, deren Oberfläche verputzt ist, dann sollten Sie unbedingt im Kopf haben, dass hinter dem Putz nicht immer nur die Wand wartet.“, so Dr. Küenzlen. Auch Elektro-, Wasser- oder Gasleitungen verlaufen in den Wänden. Es empfiehlt sich deshalb gerade bei Maßnahmen im Bestand mit einem entsprechenden Suchgerät die Wand zuerst abzusuchen, bevor Sie den Bohrer ansetzen.
Weitere Fallstricke bringt Naturstein mit sich. Für Naturstein existieren in der Regel keine geprüften Dübelsysteme. Eine Einzelprüfung ist erforderlich oder alternativ empfiehlt sich die Befestigung außerhalb des Natursteins.
Ein häufiger Fehler ist, dass gerade im Außenbereich Bohrungen nicht fachgerecht verschlossen werden. Durch das Eindringen von Feuchtigkeit und Frost können deshalb Bauschäden entstehen oder die Haltbarkeit der Befestigung kann nicht gewährleistet werden. Treffen Sie beim Bohren wohlmöglich eine Bewehrungseisen im Beton, dann kann dieses durch die eindringende Feuchtigkeit „rosten“ und dies mit der Zeit zu sehr teuren Schäden führen, so Dr. Küenzlen.
Auch lose verlegte Beton- und Pflastersteine sind als Untergrund für Ihre Dübel nicht empfehlenswert. Der Verankerungsgrund muss so beschaffen sein, dass Lasten, die auf Ihre Dübel wirken, in den Untergrund eingeleitet werden können. Wir reden hier von der sogenannten „Lastweiterleitung“ bis in das tragende Fundament, so Dr. Küenzlen. Ist diese Lastenweiterleitung wie bei Beton- und Pflastersteinen nicht gegeben, werden diese aus dem Untergrund herausgezogen und die Befestigung gibt nach.

Welche Dübel halten Feuchtigkeit und Korrosion stand?
Haben Sie nun zwar das richtige Dübelsystem für Ihren Verankerungsgrund ausgewählt, steckt der Teufel im Detail.
Häufig werden gerade im feuchten Umfeld, wie z.B. einem Badezimmer, galvanisch verzinkte Befestiger verwendet. Dabei ist Korrosion vorprogrammiert und führt auf Dauer zu optisch deutlich sichtbaren Rostspuren bis hin zum kompletten Versagen der Befestigung.
Deshalb sollten Sie nur Dübel und Schrauben aus rostfreiem Stahl in Feuchträumen verwenden.
Dies gilt ebenso für den Außenbereich. Kommen zusätzlich noch aggressive Bedingungen, wie Tausalz oder Chloride hinzu, werden Dübelsysteme aus hochkorrosionsbeständigen Stählen (sog. HCR-Stähle) erforderlich.
Grundlegend ist unbedingt der Vermischung von Werkstoffen einiges von Ihnen zu beachten, um keine elektrolytischen Kontaktkorrosionen zwischen „edlerem“ rostfreiem Stahl und „unedlem“ verzinkten Stahl zu vermeiden. Ein Geländer oder ähnliche große Gegenstände aus rostfreiem Material sollten Sie in feuchter Umgebung nie mit verzinkten Dübeln befestigen, da dies unweigerlich zur Korrosion Ihrer Befestiger führen wird. Umgekehrt können Sie Geländer aus feuerverzinktem Stahl problemlos mit Dübeln aus rostfreiem Material befestigen, es kommt hier auf die Größenunterschiede an, so Dr. Küenzlen.
Welche Abstände sind beim Dübeln verbindlich?
Bei der Geometrie der Bauteile lassen Hersteller in den Angaben zu minimalen Randabständen und minimalen Achsabständen keinen Spielraum. „Diese Abstände werden nicht theoretisch, sondern durch reale Montageversuche vom Hersteller ermittelt.“, so Dr. Küenzlen. Werden Mindestabstände unterschritten, kann es zu Rissen und Abplatzungen am Bauteil kommen.
Höhere Montagedrehmomente führen zu höheren Spreizkräften bei einigen Dübelsystemen. Trotz eingehaltener Mindestabstände kann es so dennoch zum Spalten des Bauteils kommen, wenn die Vorgaben zum Montagedrehmoment nicht eingehalten werden. Für die kontrollierte Montage ist ein kalibrierter Drehmomentschlüssel empfehlenswert.

Darf ich ein Dübelsystem verändern?
„Eine Regelung gilt für absolut alle Dübelsysteme. Diese dürfen nur so verwendet werden, wie sie von uns als Hersteller geliefert werden und zum Einbau von uns vorgesehen sind.“, darauf weist Küenzlen strikt hin.
Weder das Kürzen von Dübelsystemen noch durch Hutmuttern ersetzte Sechskantmuttern sind in den meisten Systemen vorgesehen. Gerade beim Einsatz von Hutmuttern kann es leicht vorkommen, dass die Mutter nur gegen die Gewindestange und nicht gegen den Verankerungsgrund verspannt wird. Insbesondere drehmomentkontrolliert spreizende Dübel können in der Folge nicht mehr korrekt verspreizen und die sichere Verankerung ist nicht mehr gewährleistet. Unser Dübelsystem FAZ PRO bietet Ihnen hier eine elegante Möglichkeit mit Hutmuttern zu arbeiten, wenn die Montagevorgaben eingehalten werden.
Auch die klassischen Kunststoffdübelsysteme mit teilweise bereits vormontierten Schrauben sollten nicht manipuliert werden, um die Durchdringung der Dübelhülse und damit die Tragfähigkeit zu gewährleisten. Nutzen Sie deshalb immer Schrauben in der passenden Länge zu Ihrem Dübel, um die Tragfähigkeit nicht zu riskieren und schrauben Sie Schrauben immer in der vorgegebenen Tiefe in die Dübel ein.
Wie montiere ich einen Dübel korrekt – und was tue ich bei Fehlbohrungen?
Die Gemeinsamkeit aller Dübelsysteme ist die senkrechte Montage zum Verankerungsgrund. Eine Abweichung von maximal 5° ist zulässig. „Deutlich höhere Abweichungen führen zu einer zusätzlichen und ungeplanten Belastung des Dübels.“, so Küenzlen, „Diese Belastung kann niemand vorhersehen und deshalb ist die Tragfähigkeit bei einer aus dem Lot geratenen Montage nicht mehr garantiert.“
Fehlbohrungen passieren tagtäglich auf den Baustellen der Welt. Gerade im Außenbereich und unter der Einwirkung von Feuchtigkeit und Frost, müssen die Fehlbohrungen verschlossen werden. Befindet sich die Fehlbohrung in unmittelbarer Nähe zu einer Dübelsetzstelle, muss ein Material mit hoher Druckfestigkeit zum Verschließen der Fehlbohrung genutzt werden, um die Tragfähigkeit des Untergrunds zu gewährleisten. Hier bietet sich zum Beispiel unser Injektionsmörtel WIT VM 250 an.

Zusatz-Tipp: „erst grübeln, dann dübeln“
Richtig dübeln ist eine kleine Wissenschaft für sich. Nur wenn Sie sich hiermit ernsthaft auseinandersetzt, nutzen Sie mit Gewissheit den richtigen Dübel, für die richtige Anwendung im richtigen Verankerungsgrund. Weshalb Dr. Küenzlen hier als weiterführende Lektüre unser für Sie geschriebenes Werk aus der bekannten Dummie Buchreihe „Professionell Dübel setzen“ empfiehlt.
Checkliste in Kurzform: Vor jeder Befestigung prüfen
• Verankerungsgrund per Klopftest und Probebohrung bestimmt
• Bohrmehlfarbe ausgewertet und Untergrundtyp identifiziert
• Leitungen in der Wand mit Suchgerät geprüft
• Passendes Dübelsystem für Untergrund und Umfeld ausgewählt
• Mindest-Rand- und Achsabstände eingehalten
• Montagedrehmoment mit kalibriertem Drehmomentschlüssel kontrolliert
• Im Feuchtraum und Außenbereich: Edelstahl oder HCR-Stahl verwendet
• Dübel unverändert eingebaut – nicht gekürzt, keine Fremdschrauben
• Fehlbohrungen fachgerecht verschlossen