Die 3 größten Fehler bei der Geländerbefestigung im Hochbau

Titelbild Die 3 größten Fehler bei der Geländerbefestigung im Hochbau

Bei der Montage von Balkon- oder Treppengeländer obliegt Ihnen als Handwerker eine große Verantwortung. Schon kleine Fehler bedeuten unter Umständen schwerwiegende Folgen für Leib und Leben. Welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Befestigungsmethoden mit sich bringen und wie Sie die 3 häufigsten Fehler bei der Geländerbefestigung vermeiden, erklärt Ihnen Diplom-Ingenieur Adem Ipekci, bei Würth u.a. zuständig für den Bereich Dübeltechnik.

Dübeltechnik Geländerbau

Geländer ist nicht gleich Geländer. Doch im Gegensatz zum Brückenbau, wo alles bis ins letzte i-Tüpfelchen regelmentiert ist, haben Sie im Hochbau einen gewissen Spielraum bei der Wahl der Befestigungsart und -materialien. „Monteure haben oftmals die Wahl, etwa ob sie die Stahlplatten mit Klebesystemen durch Verbundanker und/oder Betonschrauben ersetzen. Entschieden wird das nach Montagefreundlichkeit.“

Im Hochbau spielt die Nutzung des Gebäudes eine entscheidende Rolle. „Bei einem Privathaus wird der Statiker beispielweise Dübel mit einer Holmlast (die auf ein Geländer einwirkende Last durch Personen) von bis zu 50 Kilogramm verwenden lassen. „Die Holmlast in Hotels beziehungsweise bei Lagerflächen und Flächen in Fabriken und Werkstätten mit leichtem Betrieb sind höher“, so der Experte.

Ein grundsätzlicher Rat von Ipekci: „Im Außenbereich sollten Monteure immer rostfreie Dübel verwenden.“

Vor- und Nachteile verschiedener Befestigungsarten:

Geländerbefestigung von oben

Befestigung von oben

Vorteile:

  • geringe Belastung auf die Ankerplatte
  • kleine Dübeldurchmesser möglich

Nachteile:

  • Probleme bei der Abdichtung von Balkonplatten
Treppengeländer, Befestigung von vorn

Befestigung von vorn

Vorteile:

  • geringster Platzbedarf
  • optisch ansprechend

Nachteile:

  • höchste Belastung auf die Ankerplatte
  • geringe Achs- und Randabstände führen zu hohen Dübelbeanspruchungen
Befestigung von unten

Befestigung von unten

Vorteile:

  • viel Platz für Dübel und Ankerplatte, gerade bei hoher Belastung und/oder dünnen Platten

Nachteile:

  • Befestigung kann optisch stören

Die 3 größten Fehler bei der Geländerbefestigung

1. Untergrund wird nicht richtig erkannt

Stein, Beton oder Eisen? Wissen Sie nicht, mit welchem Untergrund Sie arbeiten, kann die Überraschung groß sein. „Wird der Bohrer einfach angesetzt und trifft dann nach ein paar Millimetern beispielsweise auf Eisen, geht es nicht mehr weiter. Der Dübel kann nicht so gesetzt werden, wie ursprünglich geplant“, erläutert Ipekci.

Lösung: „Bevor der Monteur loslegt, sollte er sich vergewissern, mit welchem Untergrund er es zu tun hat“, rät der Experte. Dabei sollten Sie sich auf Ihre Erfahrung verlassen und den Untergrund zusätzlich durch eine Probebohrung analysieren.

2. Fehlbohrungen

Jedem von uns unterläuft mal ein Fehler. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und schon ist das Bohrloch an der falschen Stelle gesetzt. Die vom Architekten oder Statiker berechneten Abstände zwischen den Dübeln (Achsabstand) oder zur Kante (Randabstand) werden nicht mehr eingehalten. Das kann schwerwiegende Folgen haben. Adem Ipekci warnt: „Im schlimmsten Fall wird die Statik beeinträchtigt, die Befestigung ist dann nicht mehr sicher“.

Lösung: Im Falle einer Fehlbohrung, müssen Sie die Bohrung sofort abbrechen und Ihren Statiker informieren, um Angaben über eine neue Bohrung einzuholen. „Das neue Bohrloch muss dann in lichtem Abstand von 2do, also zweimal der Durchmesser des Bohrlochs, gesetzt werden“, sagt der Experte. „Danach wird die Fehlbohrung gereinigt und mit Verbundmörtel verfüllt.“

3. Abstand wird nicht eingehalten

Wird die Ankerplatte des Geländers zu nah an den Rand gesetzt oder die Abstände zwischen den Geländerpfosten sind zu groß, ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Das Geländer bietet dann nicht mehr den optimalen Halt.

Lösung: Der Mindestabstand zur Kante und zwischen den Pfosten muss auf jeden Fall eingehalten werden. Er wird vor Beginn der Arbeiten errechnet. Eine Vorbemessung mit den Einwirkungen der Zug- beziehungsweise Querkraft und dem Biegemoment sollte vom Planer erstellt werden. Die Einwirkungen werden mit den Widerständen der Verbundanker gleichgestellt. Der Nachweis ist erfüllt, wenn der Widerstand größer ist als die Einwirkung.

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